Vegane Küche Indonesiens

„Du Arme, da kannst du ja fast gar nichts essen!“ So oder ähnlich sind die Reaktionen meiner Umwelt, wenn ich mich als Veganerin oute. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, mich zu rechtfertigen, warum ich bewusst auf alle tierischen Produkte verzichte. Aber seit Juni habe ich doch eine schlagfertige Antwort parat: „Du warst halt noch nie auf Bali.“ Ratlosigkeit und dann Fragen über Fragen!

Vegan essen bedeutet auch, gesund lebenBali, oder besser das COMO Shambhala Estate, haben selbst mir „Veganista“ eine Küche eröffnet, die so weit jenseits heimischer Reformhausregale liegt, wie Bali von der Düsseldorfer Königsallee. Als ich nach vier vorangegangenen Site Inspections endlich dort ankam, war ich fertig. Es war heiß, ich musste mich auf meine Gesprächspartner konzentrieren, mir Notizen machen, die Augen überall haben. Doch denn endlich – ein kühles, limettenduftendes Handtuch, die letzten Strahlen der tiefliegenden Sonne zwischen stillen Baumriesen und Neugier auf das Dinner. Es war bereits Teil meines kurzen Intermezzos mit dem Be active-Programm, das ich in diesem Resort ausprobieren durfte. Und: Viele Gerichte dort waren vegan, auch im italienisch inspirierten „Cucina“!
Zucchini-Capraccio Vegane panna CottaWarum ich mich allerdings vorher noch zu einer privaten Yogastunde im Pavillon unter den langsam aufblitzenden Sternen überreden ließ, war vielleicht der Stimmung dieses Resorts geschuldet. Irgendwie hatte ich in dieser stillen, grünen Oase trotzMüdigkeit Lust bekommen, etwas für mich zu tun. Der Shambhala-Effekt vermute ich. Als ich mich in der lauen Nachtluft auf die Terrasse setzte, kam im Kerzenschein die erste vegane Überraschung in Form von Tempeh auf den Teller. Um diese indonesische Obskurität aus fermentiertem Soja hatte ich bislang noch einen Bogen gemacht. War aber überrascht, dass es zusammen mit Pflaumensauce und Pilzen ganz vorzüglich schmeckte. Und erst die Panna Cotta ohne Sahne…

Fast unter freiem Himmel schmeckt es doppelt gutUm mir das Resort noch vor den anderen Gästen in Ruhe anzusehen, klingelte mich derWecker viel zu früh aus dem Bett. Das Frühstück allerdings entschädigte für jede fehlendeMinute Schlaf. Innerlich grinsend musste ich an einen Hotelaufenthalt während eines Seminars in Frankfurt denken, in dem mein „exklusiv für Sie vorbereitetes veganes Frühstück“ aus einem Tetra Pak Sojamilch bestand. Und im COMO Shambhala? Manna und Ambrosia für meinen veganen Frühstückshunger! Quinoa-Porridge und Mango-Käsekuchen ohne „Käse“, Buchweizen-KürbisMuffins, hausgemachte Mandelmilch (kein Tetra Pak!) und Cashewnut- Butter. Oh ja, die Cashew-Butter, in deren Entstehungsgeheimnis ich mich in einem veganen Kochkurs einweihen ließ…
Als ich mir den zweiten Löffel mit meiner selbstgemachten, cremig-nussigen Köstlichkeit genehmigte, fiel mir dieWeisheit „Du bist, was du isst“ ein.Tja, was ist jemand, dem all diese veganen Köstlichkeiten in dieser Vielfalt geradezu in denMund fliegen und „iss mich“ rufen? Auf jeden Fall niemand, der Askese und Verzicht übt!