Australien – Roadtrip & Sydney

Im Oktober war ich wieder mehrere Tage in Australien unterwegs. Zum einen wieder in Sydney und zum anderen auf einem mehrtägigen Roadtrip durch das südaustralische Outback. Unter anderem mit einem erneuten Besuch des Conservation Projekts „Arkaba“ und einigen Weinregionen rund um Adelaide.

Alle Erlebnisse in einen noch einigermaßen lesbaren Text zu packen, wäre einfach zu viel – und deshalb möchte ich Ihnen an dieser Stelle von meinen Highlight dieser Tour berichten.

Eines vorneweg: Ich fahre wirklich nicht gern Auto!

Stundenlange Fahrten auf mehrspurigen Autobahnen und der „Kampf“ auf den Hauptadern durch den städtischen Dschungel sind mir ein absoluter Graus. Doch in meinen Destinationen, Neuseeland und Australien freue ich mich sogar auf die Autofahrten! Im gemächlichen Tempo (110 km/h sind hier Spitze) auf meist schnurgeraden, einspurigen Strecken mit wenig Verkehr hat man Zeit für sich, für seine Lieblings-Musik, jede Menge Hörbücher und kann dabei auch noch die Landschaft genießen.
Außerdem erreicht man in Australien einige der schönsten Ziele sowieso nur mit Muße und eben mehreren Stunden Autofahrt.

Erster Stopp „The Mighty Murray“

Mit seinen über 3000 km gehört der Murray River zu den längsten Flüssen der Welt. Er schlägt sogar die Wolga, den Rio Grande und den Orinoco. Und trotzdem kennt ihn fast kaum ein Australienreisender. Mark Twain nannte ihn einst den „Mississippi Australiens“ und in der Tat steht der Murray für die Australier für Pioniergeist, Siedlerträume und Fülle.
Denn: Auf dem trockensten Kontinent der Erde ist solch ein riesiges Wassergebiet besonders kostbar.

Allerdings haben jahrelange Dürren in den letzten Jahren das Gesicht des Flusses in vielen Regionen verändert. Doch in den südaustralischen Riverlands breitet sich der Fluss noch wie eh und je über viele kleine Creeks aus und schafft einen vielfältigen Lebensraum für Mensch und Tier.
Die Region wird als „Obstkorb“ des Landes bezeichnet und das nicht ohne Grund. Denn in dem warmen, trockenen Klima wächst fast alles. Besonders gut gedeihen neben jeder Art von Zitrusfrüchten auch Mandeln und vor allem Wein! Riverland ist die größte Weinregion des Landes.

Als Exot unter Locals

Mein Ziel ist das Zentrum der Region, Renmark, und bei meiner Ankunft fühle ich mich als „Exot“. Denn obwohl die kleine Stadt aufgrund der Ferienzeit voller Leute ist, scheine ich der einzige ausländische Gast zu sein. Empfangen werde ich von Cathy und Rick, einem herzlichen Ehepaar und seit dritter Generationen stolze „Riverlander“. Sie haben sich einen kleinen Traum erfüllt und mit The Frames eine absolut überraschende Gästeunterkunft geschaffen.

Denn hier erwartet man irgendwie eher kuschelige B&B’s. The Frames hingegen besteht aus drei großen, modernen und sehr luxuriösen Villen, die genial über dem Murry River thronen.
Der Murray River wird nicht kommerziell beschifft, was Flora und Fauna aber auch dem Besucher sehr zu Gute kommt.
Auf einer Bootstour mit Rick und Cathy kann ich mich von der Vielfalt selbst überzeugen: rote Schluchten und Seenlandschaften wechseln sich ab, riesige Eukalyptuswälder säumen die Ufer und in der Dämmerung kommen Kängurus und Emus zum Trinken an den Fluss.
Daneben liegen unzählige Hausboote, denn diese Art des Urlaubs erfreut sich bei den Australiern größter Beliebtheit, um ausgestattet mit SUPs und Kanus, die Flussarme zu erkunden.

Überraschend anders – Riverlands & Outdoor-Kunst

Wir stoppen ebenfalls für ein typisches australisches BBQ und genießen den Sound der beeindruckenden Vogelwelt, bestehend aus unzähligen Zugvögeln und mehr als 300 heimischen Wasservogelarten. Und bei der Rückfahrt scheint es, als ob die Zeit hier langsamer fliest.
So langsam, wie der Murry River selbst. Denn für die Wassermenge, die auf dem Amazonas an einem Tag stromabwärts fließt, braucht der Murray ein ganzes Jahr!
Die Riverlands haben mich absolut überrascht: Wer mit Muße reisen und das authentische Australien erleben möchte, ist hier genau richtig.

Auf der Rückfahrt nach Adelaide erlebe ich eine weitere Überraschung und stoppe an der größten Outdoor-Galerie Australiens! Der „Silo Art Trail“ zieht sich über 200 km und zwei Bundesstaaten quer durch das Outback. Wo andere nur ländlichen Verfall und verrottende Getreidesilos sehen, sehen die Australier eine riesige Fläche für foto-realistische Kunstwerke! Ein Beispiel davon sehe ich in Waikerie.

Nach rund vier Stunden Fahrt erreiche ich dann die malerische Redion Adelaide Hills, in der ich leider viel zu wenig Zeit habe. Denn schon am nächsten Tag fliege ich weiter nach Sydney.

Next Stopp: Sydney behind the scenes

Derart entspannt, geerdet und ausgeruht war ich bereit für einen Tapetenwechsel und für Sydney, die quirlige Metropole als weiteren Stopp auf meinem Roadtrip. Diesmal hatte ich endlich Zeit für die spannenden Viertel abseits der bekannten Route Rocks, Opernhaus und Bondi Beach.
Eine Tour führte mich durch die Viertel Redfern und Chippendale, begleitet von enthusiastischen Guides mit Faible für Kunst und alles Feine. Mal hinter die Fassaden der Touristenmetropole schauen auf Touren, die Kunst und Geschichte der Szene-Viertel in den Mittelpunkt stellen.

Redfern, lange ein Ort, der vor allem wegen der hohen Kriminalitätsrate gemieden wurde, bietet heute einen Mix aus Szeneläden, Hipster-Cafés und Street-Art.
Chippendale faszinierte mich aber besonders. Einst beherrscht von einer alten Brauerei und langweiligem Nichts aus Backsteingebäuden und Lagerhallen mauserte sich das Viertel zu einem trendigen, quirligen Stadtteil. Unter anderem mit dem höchsten begrünten Gebäude der Welt!

Günes in der Vertikalen

Am 34-stöckigen Wohnhaus One Central Park gedeihen rund 450 verschiedene Pflanzenarten inmitten der australischen Metropole und sorgen für ein lebenswerteres Klima. In Chippendale gibt es einige der angesagtesten Restauranteröffnungen der letzten Jahre und gleichzeitig auch asiatisches Streetfood in der ungewöhnlichen „Spice Alley“.
Geschäftsleute treffen hier auf Studenten, denn der Campus der University of Technology ist direkt um die Ecke.

In der Nachbarschaft finden sich auch einige spannende kleine Galerien – für kunstinteressierte Besucher ein Muss. Und architektonisch wirkt Chippendale wie ein Phönix aus der Asche. Indigo Slam ist so ein Beispiel. Diese Privatresidenz steht neben alten Arbeiter-Quartieren in der O’Connor Street und wurde 2016 für die Kunstsammlerin Judith Nielson erbaut. Nebenan liegen alte Matratzen auf der Terrasse und hier strahlt das Meisterwerk aus komplexen geometrischen Formen, ein bewohntes Kunstwerk.

Diese neue Mischung aus rustikal und trendy, aus grunge und chic steht meiner Lieblingsstadt hervorragend. Es ist toll, hier bei jedem Besuch von neuem überrascht zu werden!