Reisebericht Uganda 2018

Mein Fazit gleich vorneweg: Wer bei Uganda der Meinung ist, es handle sich lediglich um die Heimat der Berggorillas, liegt eindeutig falsch. Natürlich sind die Primaten der Grund für die meisten Reisenden und sicher auch das Highlight in diesem Land in Zentral-/Ostafrika.
Doch Uganda bietet einiges mehr!

Unser Afrika-Spezialist Daniel Suck (links) beim Sundowner im Kidepo National ParkAuch ich kannte Uganda nur vom Hörensagen und so war ich mächtig gespannt, welche neuen Eindrücke mich dort erwarten und wie das Once-in-a-Lifetime-Erlebnis „Gorilla Trecking“ samt Begegnung mit einem Silberrücken verläuft. Doch dazu komme ich später noch einmal.

Auf Safari in einem der unberührtesten Nationalparks Afrikas

Direkt nach der Einreise am internationalen Flughafen in Entebbe mit seiner kleinen Ankunftshalle empfängt mich unser Guide und wir fahren in das ca. 10 Minuten entfernte Boma Guesthouse mit nur 15 Zimmern. Eine Stärkung gibt es auf der Veranda direkt am Pool zum Soundtrack aus Vogelgezwitscher. So kommt man gerne an!

Bereits am nächsten Morgen beginnt meine Uganda-Rundreise. Mit dem Kleinflugzeug geht es in den Norden des Landes an die Grenze zum Südsudan in den Kidepo Nationalpark. Und der ist: Wildnis pur! Kaum ein anderes Fahrzeug auf Safari stört die spektakuläre Landschaft mit Bergen und Vulkanen und tatsächlich ist Kidepo einer der unberührtesten Nationalparks Afrikas und sogar die vier der legendären Big Five (außer dem Nashorn) leben dort.

Sogar eine kleine „Great Migration“ wie in Tansania hat dieser Nationalpark zu bieten! Denn neben Löwen, Elefanten und Leoparden leben in Kidepo rund 3.000 Büffel, die in riesigen Herden umherziehen. Doch auch Ornithologen kommen bei knapp 500 verschiedenen Vogelarten auf ihre Kosten.

Ein weiteres Tier-Highlight wartet später auf der Ziwa Rhino & Wildlife Ranch (ca. 4,5 Fahrstunden von Entebbe), wo man Nashörner in freier Wildbahn sehen kann.

Übernachten mit Nilpferd & Krokodil

Nach einem kurzen Transferflug zum Bugungu Airstrip im Murchison Falls Nationalpark, unternehmen wir eine Boots-Safari, begleitet von Nilpferden, Krokodilen, Giraffen und Elefanten. Unterhalb der Nil-Wasserfälle beginnt eine Wanderung vorbei an den tosenden Wassermassen hinauf zur Aussichtsplattform „Top of the Falls“ mit spektakulärem Blick in die brodelnde Schlucht.

Pünktlich zum Abendessen finden wir uns in der Bakers Lodge direkt am Ufer des Nils ein und genießen ein 3-Gänge-Menü unter Beobachtung vieler Nilpferde und Krokodile. Begleitet von den „Gesängen“ der Hippos und dem Rauschen des Nils starte ich nach einer unruhigen und wörtlich „(be-)rauschenden“ Nacht zur morgendlichen Pirschfahrt im Murchison Falls Nationalpark.

Einigen Stunden und Tiersichtungen später geht es mit der kleinen Cessna von Aerolink zum Kasese Airstrip.

Affe oder Mensch?

Am Airfield werden wir von unserem Fahrer Gorge abgeholt und fahren in die ca. zwei Stunden entfernte Kyaninga Lodge. Auf der Fahrt lernen wir viel über Land und Leute und auch, dass Uganda in verschiedene Königreiche aufgeteilt ist und es ca. 46 verschiedene Sprachen innerhalb des Landes gibt.

An der Lodge angekommen, die hoch über dem gleichnamigen Kratersee schwebt, erwartet uns Lodge Manager Carlos und bringt uns zu den großräumigen Cottages, von denen jedes einen sagenhaften Blick über den See und die Weiten der Landschaft hat.
Nachdem wir die Umgebung im Rahmen des „Crater Walks“ erkundet haben, gönnen wir uns eine kurze Abkühlung im See, den man auch mit kostenlosen Leih-Kajaks erkunden kann.
Am nächsten Tag wartet das nächste Highlight auf uns: Schimpansen Tracking im ca. eine Stunde entfernten Kibale Nationalpark, in dem rund 1.500 Schimpansen und 12 weitere Primatenarten leben. Zweimal täglich, frühmorgens und am Nachmittag, starten maximal sechs Personen zu den Touren, um eine Stunde lang die Tiere zu beobachten.

Nach einer recht kurzen Wanderung mit unserem Ranger finden wir bereits die ersten Schimpansen direkt vor uns auf dem Waldboden – ein magischer Moment, denn man spürt irgendwie, dass sich unsere und ihre Gene zu etwa 98,6 % gleichen und wir uns auch im Sozialverhalten deutlich ähneln!

Vom Urzeitvogel in die Bergnebelwälder

Nach dem Tracking geht es in den Semliki Nationalpark am Lake Albert, der Heimat des Schuhschnabels. Der gefährdete und sehr seltene Vogel mit dem Zungenbrecher-Namen ähnelt mit seinem mächtigen Schnabel einem Urzeitvogel, der sich auf Beutezug in Zeitlupe bewegt, um die Fische unter der Wasseroberfläche nicht aufzuschrecken.

Während des Transferfluges zum Kisoro Airstrip überqueren wir erstmals den Bwindi Impenetrable Nationalpark und kommen damit dem absoluten Highlight ein großes Stück näher. Nach zwei Stunden Fahrt zur Lodge und einer sogenannten „African Bush Massage“ – einer holprigen Fahrt über Schlaglöcher und ungeteerten Straßen – erwartet uns ein atemberaubender Ausblick von der Clouds Mountain Gorilla Lodge über den Regenwald bis hin zu den Bergen und Vulkanen an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo.

Tiefenentspannte Berggorillas und neugierige Menschen

Am nächsten Morgen ist es endlich so weit: Wir bekommen eine kurze Einführung im Büro der Uganda Wildlife Authority (UWA) über das bevorstehende Gorilla Tracking. Der Weg von der Clouds Lodge aus ist steil und führt uns ca. eine Stunde in Richtung Tal und dann hinein in den Regenwald. Nachdem uns die „Tracker“ ein Zeichen geben, dass uns nur noch wenige Meter von den Gorillas trennen, legen wir unsere Sachen beiseite und machen uns, bewaffnet mit Kamera und Handys, die letzten Meter auf den Weg.
Es knackt und raschelt, während die Guides sich mit ihren Macheten einen Weg durch den wirklich undurchdringlichen Wald – Impenetrable bedeutet undurchdringlich – bahnen.

Und plötzlich läuft eine erste Gorilla-Dame an uns vorbei und verschwindet zugleich wieder in einem der umliegenden Büsche. Nachdem wir uns zu einer kleineren Lichtung durchgeschlagen haben, finden wir die gesamte Familie inklusive zweier Silberrücken, die unerschütterlich und imposant am Boden oder in den Bäumen sitzen und Pflanzen fressen. Hin und wieder kommt eines der Tiere etwas näher an uns heran und zeigt sich dabei in einer gewissen Art und Weise neugierig, dennoch wirken die Gorillas die meiste Zeit sehr desinteressiert an uns Menschen und lassen sich von uns nicht stören oder beunruhigen.

Die Stunde, die wir bei der Familie verbringen dürfen vergeht dabei wie im Flug und so machen wir uns mit einem weinenden Auge und breitem Grinsen angesichts dieser Begegnung zurück auf den Weg in Richtung Lodge. Was für ein faszinierendes Erlebnis!!