Reisebericht Sizilien 2019

Sonne und Meer fürs Gemüt, gutes Essen für den Bauch und ein wenig kulturellen Input für den Geist – dieser Mix muss ein Garant für einen gelungenen Sizilien-Urlaub sein dachten wir. Ob die Insel tatsächlich hält, was wir uns von ihr erträumten – das wollten wir unbedingt endlich herausfinden. Denn schon viel zu lange musste Sizilien immer anderen Reisezielen den Vortritt lassen.

Eines vorneweg: Sonne, Meer und Essen machen ihrem Ruf alle Ehre! Komplettiert wird das alles durch die wirklich wahnsinnig netten Sizilianer, die Gäste immer herzlich aufnehmen!
Wir erinnern uns bis heute gerne an den freundlichen alten Herren, der in der Bäckerei seiner Tochter saß und uns von seiner Zeit als Gastarbeiter in Bad Homburg erzählte, als er unsere Sprache hörte. Wie so viele ist er als Rentner wieder in seine Heimat gegangen: Das Wetter ist einfach besser.

Wir starten in Palermo, einer extrem lebendigen Stadt, in der sich die Einflüsse diverser Völker, die Sizilien je besiedelt haben, zu einem beeindruckenden Ganzen zusammenfügen. Ein Rundgang durch die Stadt fühlt sich an wie ein Rundgang durch ein lebendes Geschichtsbuch. Es waren ja alle da: Griechen, Römer, Araber, Normannen, Spanier, Neapolitaner und dann leider auch die Mafia, die aber seit über 20 Jahren in Sizilien auf dem Rückzug ist – zumindest für das Auge des Besuchers.
Das nämlich erfreut sich an großartigen Bauwerken wie der Kathedrale oder dem Normannenpalast mit der prachtvollen Cappella Palatina im normannisch-arabisch-byzantinischen Stil. Und das Auge sieht auch völlig heruntergekommene Gebäude, aus denen die Vegetation wuchert. Eigentlich hat mir gerade das so gut gefallen: dass die Stadt nicht zu Tode renoviert ist und einfach echt wirkt.
Palermo ist als Ganzes betrachtet ein Fest für das Auge, seien es die prunkvollen Kirchen in allen möglichen Stilrichtungen, die Paläste oder die Märkte wie der Mercato di Ballarò oder der Mercato del Capo. Hier gäbe es noch viel mehr zu entdecken!
Nach zwei Tagen brechen wir auf in Richtung Süden und auf dem Weg gilt unser Interesse der Antike: Der griechische Tempel von Segesta steht seit dem 5. Jahrhundert fast komplett erhalten da – und das romantisch eigebettet in Blumenwiesen.

Am Ende des Tages erwartet uns unsere Unterkunft bei Menfi. Eine der bedeutendsten Winzer-Familien der Insel betreibt dort ein kleines Boutique-Hotel, das vor allem durch seine familiäre Atmosphäre und eine hervorragende Küche glänzt. Das ehemalige Ferienhaus der Familie am Meer fungiert heute als „Beach Club“, in dem sich wunderbar ein Tag am Meer verbringen lässt. Ein bisschen 50er Jahre-Sommerstimmung inklusive.

Auf dem Weg Richtung Ätna durchqueren wir die Insel und machen mittags in Enna Halt, einem mittelalterlichen Ort, der wie ein Adlerhorst hoch auf einem Bergplateau sitzt. Am Abend erreichen wir die Ostflanke des Ätna, wo man sich dann entscheiden muss: Lieber in den Trubel von Taormina stürzen oder ob lieber ruhiger auf dem Land wohnen? Taormina ist wahrscheinlich der berühmteste Ort Sizliens, schon aufgrund des antiken Theaters mit Blick auf den Ätna. Wer dort im Belmond Grand Hotel Timeo übernachtet, hat den Ort und seine guten Restaurants fast für sich alleine, wenn die Kreuzfahrtgäste am Nachmittag wieder weg sind.

Wer lieber dem Landleben frönt, sollte sich für das Monaci delle Terre Nere entscheiden. Mit diesem Herrenhaus hat sich der Inhaber seinen Jugendtraum von einem Landgut erfüllt. Das historische Anwesen, die Scheunen und Wirtschaftsgebäude auf dem weiträumigen Grundstück beherbergen Hotelzimmer, rundum werden Wein und Gemüse angebaut, dazwischen picken Hühner und diese Idylle macht tatsächlich glücklich. Ich muss nicht extra erwähnen, dass wir überall hervorragend zubereitete, authentische sizilianische Küche serviert bekamen! Und obwohl ich eigentlich kein Süßschnabel bin, konnte ich den süßen Sünden in den Auslagen der Pasticcerias nicht wiederstehen…

Um die Kalorien wieder loszuwerden bot sich auf Sizilien aber immer die Möglichkeit, sich zu bewegen: sei es am Ätna oder entlang der Küste.
Zum Abschluss der Reise geht es mit einem kurzen Stopp in Syracus nach Noto, der Perle des sizilianischen Barocks. Nachdem ein Erdbeben die Gegend im Jahre 1693 zerstört hatte, wurde Noto wie die anderen Städte Modica, Ragusa und Scicli auch im Spätbarock wieder aufgebaut. Im berühmten Caffè Sicilia lassen wir uns ein wunderbares Granita mit Brioche mit Blick auf die Kathedrale schmecken und überlegen schon wieder, ob wir lieber in der Stadt oder auf dem Land übernachten wollen. Wir haben nämlich die Qual der Wahl: Die Inhaberin des Stadtpalazzos Seven Rooms Villadorata hat mittlerweile nämlich auch ein Country House ca. 10 Kilometer außerhalb der Stadt eröffnet.
Auf jeden Fall ist diese Gegend ein toller Ausgangspunkt für das Naturschutzgebiet Vendicari, das außer naturbelassenen Stränden auch noch Zeugnisse der ehemaligen Thunfischfischerei zu bieten hat. Auch heute noch fahren die Fischer von Portopalo aufs Meer und bringen ihren Fang in die Laden und auf den Teller. Zu Preisen, die uns Münchner zu Tränen rühren.
Wir werden auf jeden Fall wieder kommen, um weitere Schätze der Insel zu heben!