Reisebericht Ostkanada 2019

Quebec ist anders. So zumindest behaupteten es die Kollegen der touristischen Vertretung der Provinz in Ostkanada, die mich im Büro besucht hatten. In ihrem Eifer, mir die Schön- und Besonderheiten ihrer Heimat schmackhaft zu machen und sich dabei doch subtil ein wenig vom Rest des Landes zu isolieren, erinnerten sie mich doch ein wenig an die Bayern in ihrem Verhältnis zum Rest der Bundesrepublik.

Während ich also nun meine Bucketlist prüfe, stelle ich fest, dass ein Besuch dieser offensichtlich frankophilen Provinz tatsächlich gar keine schlechte Idee ist. In den letzten Jahren hat Ostkanada deutlich an Popularität gewonnen und das möchte ich mir doch genauer ansehen.

Und so mache ich mich auf zu meinem einwöchigen Kurztrip, um ein paar Highlights der Provinz zu besuchen und zu erleben. Heute möchte ich Sie ein wenig mitnehmen auf meine Reise und habe dafür ein paar besondere Erlebnisse und Begebenheiten herausgepickt.
Meinte Route führt mich von Montreal über den La Mauricie Nationalpark nach Québec City.

Angekommen im Hotel in Montreal, im wunderbaren The Ritz-Carlton, dessen Personal uns so unglaublich herzlich begrüßt, als wären wir langjährige Stammgäste, erwischt es mich eiskalt: Man spricht französisch.

Das ist im ersten Moment schon ein wenig seltsam, das möchte ich nicht von der Hand weisen. Ist in meinem Hinterkopf doch immer „das ist doch schließlich Kanada“ verankert. Natürlich, sobald das Gegenüber merkt, dass das Schulfranzösisch eben doch nicht mehr für eine gepflegte Konversation reicht, wird ins Englische gewechselt. Das dann aber durchaus, nicht selten, mit einem sehr starken Akzent.
Montreal ist ein wenig zweigeteilt: man hat den historisch-charmanten, fast schön kleinstädtisch anmutenden Teil am Hafen mit den Kopfsteinpflasterstraßen, den kleinen Restaurants und dem belebtem Hafenabschnitt, wo sich bei schönem Wetter die halbe Stadt tummelt.
Aktivitäten dort sind unter anderem eine Zipline über das Wasser hinweg, eine Show von Cirque du Soleil, Bootsfahrten, Radverleih oder einfach nur auf einer Bank dem Spektakel zusehen.

Und dann gibt es noch den nördlicheren Teil mit der mondänen Einkaufsstraße und den Museen. Mit das Beeindruckendste in Montreal ist aber eindeutig die Basilika Notre-Dame. Für nordamerikanische Verhältnisse ein wahrer Prunkbau.
Leider kein Geheimtipp – hier gilt: früh aufstehen, sonst anstehen!

Weiter geht unser Weg Richtung Norden, und wir entscheiden uns für die Straße entlang des St.-Lorenz-Stromes, den „Chemin du Roy“, den Königsweg direkt an den Ufern entlang durch kleine, verschlafene Dörfer. Hier wird dann eher gezuckelt und getrödelt, denn rasant gefahren.

Es ist eine wunderbare Panoramastraße, die wahrlich die perfekte Alternative zur Autobahn darstellt. Wir machen einen Abstecher zum La Mauricie Nationalpark und übernachten, so kommt es uns dann vor, als sogar das Navi die Zieladresse nicht mehr findet, auf halbem Weg zum Ende der Welt.
Unsere Unterkunft befindet sich idyllisch an einem See, und als wir auf unsere kleine Terrasse treten, werden wir gleich neugierig beäugt: eine Familie von Murmeltieren tollt wenige Schritte von uns entfernt auf dem Rasen umher und scheint ein wenig unglücklich ob unserer Anwesenheit. Anders als wir.
Wir haben den größten Spaß, den Vierbeinern bei ihren Abenteuern zuzusehen. Nennen wir es Safari auf kanadisch!

Um die Größe und Weite zu begreifen, unternehmen wir einen Flug mit einem Wasserflugzeug über den Park. Unser Flug ist zugleich ein Testflug des neuen Piloten Sebastien, ein Franzose, der sich als Wasserflugzeugpilot in Quebec seinen Kindheitstraum erfüllt. Natürlich wollen wir es genau wissen: „wie findest Du als Franzose das Französisch, dass hier in Quebec gesprochen wird?“ Seine Antwort ist kurz und knapp: „Old“. Er vermisse moderne Umgangswörter.

Der Blick aus der Vogelperspektive auf den La Mauricie Nationalpark und seine Weite lässt uns dann doch wieder sehr klein fühlen. Auch wenn Quebec nicht unbedingt für das Natur- und Tierspektakel Kanadas per se steht, so sollte ein Besuch dieses Nationalparks nicht fehlen.

Anschließend geht es dann nach Quebec City. Mit seiner auf einem Hügel liegenden, von einer Festungsmauer umspannten Altstadt ist es so entzückend, dass man es, wäre es ein Mensch, in die Wangen kneifen möchte. Als Fan von Eingangstüren gerate ich in einen wahren Rausch. In Nordamerika ist die Tür ein doch eher weniger schmucker Gegenstand – in Quebec erfreut man mich vielerorts mit bunten & einladenden Türen, die mich nicht selten dazu verleiten wollen, die Klinke zu drücken und dahinter zu spechten.
Glänzt Montreal doch mit einer gewissen internationalen Gewandtheit, so hat Quebec den Charme einer Kleinstadt.
Bin ich vor der Reise noch ein wenig traurig darüber, nicht mitten drin in der Altstadt zu wohnen, lösche ich diesen Gedanken vor Ort unverzüglich.
Die Lage der Auberge St. Antoine am Fuße des Zentrums ist wahrlich ideal. Denn, so unglaublich fotogen und „gram“-like die Innenstadt innerhalb der Festungsmauer sein mag, es ist sehr trubelig. Wir erleben in Quebec eine wunderbare Foodtour, wo wir eine herrliche Mischung aus Informativem über Land und Leute, wie auch über die kulinarischen Genüsse der Provinz erfahren.
Und natürlich probieren wir auch die berühmte Poutine, überbackene Pommes. Das ideale Hangover-Mahl, wie man uns mehrfach versichert. Am besten schmecke es nach einer durchzechten Nacht. Ich fürchte, für mich gilt auch das nicht. In Soße ertränkte Pommes, die dann mit Käse überbacken werden? Das ist für mich schlicht zu speziell.

Aber der Käse! Ich kann nur sagen, probieren Sie den „1608“, der zergeht auf der Zunge. Wie überall in Nordamerika ist auch in Kanada Käse in der Tat ein Luxusprodukt mit vergleichsweise hohen Preisen. Natürlich darf auch der Ahornsirup nicht fehlen, den man, so lerne ich, eigentlich in jedes Gericht mit einbauen kann. Kaffee mit Ahornsirup, Salat mit Ahornsirup, Fisch mit Ahornsirup, Fleisch mit Ahornsirup, Essig mit Ahornsirup… Sirup geht einfach überall.

Was ich jedem Besucher als Muss noch ans Herz legen möchte, ist ein Ausflug auf die Ile d‘Orleans. Ca. 25 Minuten von der Innenstadt entfernt, erlebt man, sobald man die Brücke passiert hat, fast ein bisschen eine andere Welt. Mit einer Breite von nur 8 km ist das Ganze doch sehr überschaubar und so gibt es nur eine schwerwiegende Entscheidung an der ersten Kreuzung: links oder rechts rum?

So oder so: es gibt nur eine Ringstraße, die immer wieder zum Ausgangspunkt führt. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde – würde man nicht unterwegs mal aussteigen. Und das tut man. Sei es, um die grandiose Aussicht zu genießen, den Friedhof von Saint-Jean samt zugehöriger Kirche zu besuchen (Tipp: genau gegenüber ist ein nettes Café mit Außenterrasse!) oder in einem der kleinen Geschäfte lokale Köstlichkeiten wie Honig, Essig, Cidre oder Käse zu kosten und zu kaufen. Idylle pur, anders lässt sich das Ganze nicht beschreiben.

Mein Fazit nach knapp einer Woche Quebec: Französisches Savoir Vivre in Ostanada!
Als ideale Ergänzung zu diesen Eindrücken empfehle ich Ihnen unbedingt die Kombination bzw. den Kontrast mit Toronto als pulsierender Weltstadt.