In The Streets of Philadelphia

Diese Stadt steht wohl nur bei wenigen ganz oben auf der viel zitierten „Bucket List“. Philadelphia ist mit knapp 1,6 Millionen Einwohner immerhin die fünftgrößte Stadt der USA, aber natürlich muss Größe nicht immer gleich charmant sein.

Welches Ergebnis Philadelphia bei der Formel groß = sehenswert liefert, will ich rausfinden und mache einen Kurztrip in die Stadt der „Brotherly Love“, so die Übersetzung des Stadtnamens aus dem Griechischen.
Was mir auffällt: So groß die Stadt sein mag, eine eindrucksvolle Skyline hat sie nicht. Sie wirkt eher kleinstädtisch und beschaulich, was ich allerdings als sehr angenehm empfinde.

Im Sommer findet das Leben draußen statt

Direkt von meinem höchst zentral gelegenen Hotel The Rittenhouse kann ich zu Fuß loslaufen. Mit einem Stadtplan ausgestattet versuche ich erst mal, die Stadt zu Fuß zu entdecken, was sich mit ein wenig Muße absolut umsetzen lässt. Ich laufe los – und komme grade mal ein paar Meter weit. Gleich am Rathaus spielt eine Band und ich setze mich gemütlich in die Sonne, um meine weitere Route zu planen.

Wie ich im Laufe meines Aufenthaltes merken werde, ist hier im Sommer viel los im Freien: auf den öffentlichen Plätzen und in den Parks. Philadelphia hat sechs maßgebliche Stadtteile im Kern. Ich mache mich auf Richtung Waterfront, passiere dabei die Liberty Bell, auf die man sogar ohne Eintritt einen Blick werfen kann, schlendere weiter zum historischen Teil Old City mit dem Independence National Historical Park und zu den wirklich entzückenden Häusern, die ein Teil des amerikanischen „National Register of Historic Places“ sind – zu Recht.
Malerische Häuserfronten, die behutsam und liebevoll renoviert wurden, säumen dieses Viertel. Danken muss man dafür auch dem Architekten und Stadtplaner Edmund Bacon (Vater des Schauspielers Kevin Bacon), der sich mit aller Leidenschaft für deren Erhalt und gegen Hochhäuser und Neubauten einsetzte. Ich komme mir mitunter vor, wie in einer übergroßen Filmkulisse, so heimelig ist das Ganze.

Die älteste durchgehend bewohnte Straße der Nation

Ich laufe weiter und stehe schnell an den Ufern des Delaware Rivers und winke rüber zur anderen Flussseite, da ist schon New Jersey! Natürlich muss ich auch zu Elfreth´s Alley, einer der historischsten Straßen der Stadt aus dem Jahre 1702, und wohl die älteste durchgehend bewohnte Straße der Nation.
Weiter schlendere ich über Chinatown zum berühmten LOVE Zeichen an der John F. Kennedy Plaza. Das Pop Art Kunstwerk wurde frisch renoviert und erst im Februar dieses Jahres wieder aufgestellt. Über die unglaublich hohen fünfstelligen Kosten für Renovierung/Instandsetzung wird in Philadelphia ähnlich viel gespottet, wie bei uns über die Elbphilharmonie.
Nichtsdestotrotz: Es ist ein Fixpunkt in der Stadt, den ich nicht missen wollte – und als Fotomotiv sind die vier knallroten Buchstaben sowieso unschlagbar.

Niemand wächst William Penn über den Kopf!

Überall in der Stadt begegnet mir der Name „William Penn“, der Stadtgründer bzw. auch der Vater des Staates Pennsylvania. Dieser englische Visionär blickt auch heute noch, man möchte fast meinen, fürsorglich auf die Stadt: in Form einer Bronzestatue, die sich auf dem Dach des Rathauses befindet.
Lange Jahre durfte aus Respekt davor kein Gebäude höher sein, als die Statue.
Das hat sich dann Mitte der 1980er leider geändert.

Rockys legendäre StufenMeinen kulturellen Teil der Reise beende ich mit dem Museum of Art am Ende des bekannten Benjamin Franklin Parkways, der mit seiner internationalen Beflaggung an die Champs-Élysées erinnert. Cineasten (und wohl fast alle Männer) pilgern dort wohl zu allererst zur Rocky Statue, die gleich neben den 72 Stufen zum Museum platziert ist.
Wer die Rocky Filme von und mit Sylvester Stallone gesehen hat, erkennt die Stufen aus der berühmtesten Szene des Films. Nicht wenige (vor allem wiederum männliche) Besucher stellen an Ort und Stelle diese Szene nach und sprinten die Treppen hoch, was für mich als Zuschauer einen recht vergnüglichen Unterhaltungswert hat.

Von Dior bis Rodin

Das Museum selbst besuchen die meisten aber wohl nicht. Schade eigentlich, denn gerade ist eine wunderbare Ausstellung über Dior (bis 31.03.2019) zu sehen. Zum Museum gehört auch das Rodin Museum, das immerhin die größte Rodin Sammlung außerhalb von Paris beherbergt.

Von Rodin zu Wandgemälden ist der Spagat vielleicht ein wenig gewagt, aber ich traue mich dennoch! Philadelphia veröffentlichte sogar eine eigene Broschüre über die wirklich fantastischen Unikate, die sich über zahlreiche Gebäude in der Stadt verteilen. Ich sehe nur einen Bruchteil, bin aber geplättet von den Dimensionen, Farben und der Stimmung dieser meterhohen Kunstwerke.

Philadelphia Cheesesteak – eine Geschmackssache

Eine riesige Auswahl an Aufschnitt und WurstAls „gerne-und-leider-viel-Esser“ komme ich nicht um einen Besuch des Reading Terminal Markets in einer alten Markthalle umhin. An über 80 Ständen verkaufen lokale Produzenten fast alles, was sich verzehren lässt – auch das bekannte Philadelphia Cheesesteak, das ich für mich persönlich eher als „speziell“ bezeichnen würde.
Alles in allem ist dieser Ort ein Genussfestival für die Augen und die Nase, herrlich!

Meine Zeit in Philadelphia ist viel zu kurz. Gesehen habe ich noch lange nicht alles! Ich lerne eine sehr lebenswerte Großstadt mit kleinstädtischem Flair kennen, die ein unterhaltsames Potpourri aus Kunst, Kultur, Nightlife und vor allem spannender Geschichte bereithält. Philadelphia empfand ich als herrlich unaufgeregt!

Ich möchte unbedingt noch einmal das Wilma Theater besuchen, in einer der Hängematten am Delaware River liegen, eine Foodtour durch den Terminal Market machen, eine nächtliche Stadtführung erleben, mich barfuß im Swann Memorial Brunnen abkühlen, die Bibliothek, The Bourse, die Wandgemälde …