Reisebericht Nord-Ost Argentinien 2018

Eine der schönen Seiten unseres Berufes ist es, auf Erkundungsreise zu gehen, um Neues zu entdecken, unseren Partnern vor Ort über die Schulter zu schauen sowie neue Hotels und Lodges zu testen.
Nach einem viertägigem Besuch einer Reisemesse in Buenos Aires freute ich mich schon sehr darauf, eine Gegend Argentiniens zu bereisen, die ich noch kaum kannte: die Provinz Corrientes mit den riesigen Feuchtgebieten Esteros del Ibera, den Jesuitenreduktionen von San Ignacio de Miní im Dschungel und der brandneuen Lodge Awasi Iguazu.

Estancia-Alltag mit Brüllaffen und Brillenkaimanen

Ein ca. 1,5 stündiger Flug brachte mich von Buenos Aires nach Posadas, der Provinzhautstadt von Misiones im Nord-Osten Argentiniens. Diesen Namen verdankt die Provinz den vielen Missionsstationen, die es dort früher gab. Aber dazu komme ich noch. Am Flughafen erwartete mich José, mein Guide für die nächsten zwei Tage.

Zunächst fuhren wir Richtung Süden in die Provinz Corrientes nach Puerto Valle, eine wunderschön am Río Paraná gelegene historische Estancia, die heute als kleines, feines Boutique-Hotel betrieben wird. Nach der Ankunft erwartete mich dort bereits ein köstliches Mittagessen. In Puerto Valle wird nach dem Grundsatz „Farm-to-table“ gekocht und die Zutaten kommen fast ausschließlich aus eigener Produktion. Selbst der Tee stammt aus eigenem Anbau!
Begünstigt wird diese Philosophie vom herrlich warmen Klima, in dem praktisch alles wächst und gedeiht, was es an Pflanzen gibt.

Am späten Nachmittag unternahmen wir eine Bootsfahrt auf dem Río Paraná und seinen Seitenarmen, auf denen man tief in den Urwald gelangt und allerhand zu sehen bekommt: unzählige Vogelarten, Brüllaffen und sogar Brillenkaimane. Auf der Rückfahrt überraschte uns die Natur mit einem für hier typischen, schon fast kitschigen Sonnenuntergang, dessen Farbreichtum so nur in diesen Breiten zu bestaunen ist.

Am nächsten Morgen stand zunächst ein Ausritt in den landwirtschaftlichen Teil der Estancia auf dem Programm. Entlang des Flusses durch Pinien- und Eukalyptuswälder ging es auf die Weiden, auf denen wir die Rinder zählten und dann im gestreckten Galopp zurück zur Estancia preschten.
Zur Stärkung gab es eine typischen Snack mit frisch aufgebrühtem Mate Tee und Chipas – luftigem Käsegebäck.

Mystische Marschen – Esteros del Ibera

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Esteros del Ibera. Über einen privaten Zugang gelangten wir von Puerto Valle direkt in die unbeschreiblich schöne Lagunenlandschaft dieses 13.000 km² riesigen Feuchtgebietes. Vom Boot aus konnten wir Wasserschweine, Sumpfhirsche, unzählige Kaimane und Vogelarten in allen Größen aus nächster Nähe beobachten.
Fast 1.000 Vogelarten leben in den Esteros, ein Traum für jeden Ornithologen oder Naturliebhaber!
In diesem neu geschaffenen Nationalpark leben außerdem Nandus, Pekaris, Ameisenbären und Tapire und sehr bald soll auch der höchst bedrohte Jaguar hierher zurückkommen. In Rahmen eines bislang einzigartigen Projekts werden diese nahezu ausgestorbenen Großkatzen hier wieder angesiedelt.

Der Abend fand mit einem typischen Asado im Quicho (dem Asado-Grillplatz) der Estancia seinen krönenden Abschluss und nur der Gedanke, ganz sicher bald wiederzukommen, machte den Abschied erträglich…

Bei den Vorfahren von Papst Franziskus

Am darauffolgenden Morgen brachte mich mein Guide José nach San Ignacio de Miní, wo mich bereits Carmen, meine private Reiseleiterin von Awasi Iguazu, erwartete. Gemeinsam besichtigten wir die beeindruckenden Ruinen der ehemaligen Jesuitenreduktion, die heute zum UNESCO Welterbe zählt.

In der Zeit von 1609 bis 1767 waren diese Jesuitenreduktionen ein jesuitisches Missionswerk, das die Mitglieder der indigenen Bevölkerung Südamerikas auf freiwilliger Basis in festen Siedlungen, den Reduktionen (spanisch reducción für Siedlung), zusammenführte. Besonders beeindruckte mich, in welch kurzer Zeit es den Padres gelang, mitten im damals kaum bewohnbaren Dschungel diese blühenden Stätten zu errichten.
Mit bleibenden Eindrücken setzten wir nach der zwar kurzen, aber intensiven kulturellen Exkursion die Fahrt gen Norden durch die Provinz Misiones fort.

Ein neuer Stern am großen Wasser

Nachdem ich die wirklich einzigartigen Lodges von Awasi in der Atacama Wüste und Patagonien bereits kannte, waren meine Erwartungen an die brandneue Lodge Awasi Iguazú inmitten des Dschungels in Iguazú entsprechend hoch – und ich wurde nicht enttäuscht! Awasi hat es geschafft, auch hier ein einzigartiges Refugium zu kreieren, in dem man sich als Gast wirklich willkommen, wohl, zuhause und umsorgt fühlt.

Die 100 m² großen Privatvillen mit Plunge-Pool und Blick in den Dschungel und ein Restaurant auf Sterneniveau bilden dabei nur die Basis.

Was hier aber wirklich zählt, sind die perfekt ausgebildeten privaten Awasi-Naturguides, die den Gästen die einzigartige Umgebung mit ihrer reichhaltigen Flora und Fauna in einer Art und Weise näher bringen, wie man es alleine, vor allem in der Kürze der Zeit, nie schaffen würde.
Das Besondere: Jeder Villa steht ein privater Guide mit Geländewagen zur Verfügung. Die größten Wasserfälle der Welt, die Cataratas del Iguazú, bilden dabei nur einen kleinen Teil der Exkursionen, die Awasi bietet.
Nachdem dies aber nicht mein erster Besuch am „Großen Wasser“ war, entschied ich mich für eine Tour in den Atlantischen Regenwald. Dort besitzt Awasi, angrenzend an den Nationalpark, ein privates Schutzgebiet – ein Traum für jeden Naturfreund! Die Fahrt im Geländewagen führte uns über zwei Stunden auf einer der typisch roten Erdstraßen tief in den Dschungel.
Den unberührten Regenwald erkundeten wir per Kajak auf einem sich unter Baumriesen schlängelnden Fluss und zu Fuß auf verschlungenen Pfaden. Mehr Regenwald geht nicht!
Und natürlich darf bei Awasi ein Picknick am Wasser mit frisch gegrillten argentinischen Spezialitäten und Kaltgetränken nicht fehlen! Sogar Hängematten für die Siesta nach dem Essen sind vorhanden – ich hätte noch monatelang so weiterreisen können.