Reisebericht Chilenische Fjorde & Patagonien

Ganz weit im Süden des Lateinamerikanischen Kontinents, wo sich Chile und Argentinien Seite an Seite gedrängt wie eine Speerspitze zwischen Südpazifik und Südatlantik bohren, liegt eines der beeindruckendsten Kreuzfahrtreviere – die Chilenischen Fjorde.

Ein Ziel, das ich schon lange im Auge hatte, mich aber – so auch diesmal – immer wieder fragte: Lohnt sich diese weite Anreise überhaupt? Habe ich nicht eigentlich sowieso schon die interessantesten Seereisen auf der südlichen Halbkugel erlebt? Die Antarktis oder die Galapagosinseln sind von anderen Zielen in Südamerika doch eigentlich nicht zu toppen!
Dachte ich zumindest ...

Irgendwie geht es immer noch besser

Dass ich mein Portfolio nach dieser Reise an Bord der neuen HANSEATIC inspiration aber um ein weiteres Highlight in Südamerika bereichern konnte, verdanke ich tatsächlich den Chilenischen Fjorden und Patagonien.

Allein der Landeanflug mit außergewöhnlichen Blicken auf schneebedeckte Vulkankrater und die Anden entschädigte für die lange Zeit im Flugzeug und ware eine fantastische Einstimmung auf diese Expedition.

Natürlich bin ich als Kreuzfahrtexpertin nicht ganz unvoreingenommen, das gebe ich ja zu. Doch gerade in dieser zerklüfteten, unwegsamen und enorm schwer zugänglichen Region Chiles ist ein Schiff schlichtweg die bequemste und gleichzeitig intensivste Art, die chilenische Fjordlandschaft mit dem Torres del Paine-Nationalpark in Patagonien zu kombinieren!


Nahezu stündlich wechselte unterwegs das Panorama

Gletscher und Wasserfälle, stürmische See mit verrückten Himmelsstimmungen und Regenbögen, schneegleißende Berge und saftige Weiden …
So vielfältig und variantenreich wie von der Seeseite ist dieses langgezogene, viele hundert Kilometer lange Küstenstück Chiles auf keinem anderen Weg zu erkunden.

Auf Touren an Land staunt man Bauklötze über die überraschend üppige Flora und natürlich auch die Tierwelt, der man im Nationalpark Torres del Paine begegnet: Guanachos, den Urvätern der Lamas und Alpacas, riesigen Kondoren und Chunchos, einer Habichtart, die sogar junge Schafe reißt. Nur der Puma wollte sich mir leider nicht zeigen.

Immer vorne mit dabei

Mein unangefochtener Lieblingsplatz an Bord der HANSEATIC inspiration war viele Stunden lang der Bug, der nur auf den drei neuen HANSEATIC-Schwestern zugänglich ist. Noch vor der Brücke des Kapitäns ist man den Delfinen dort ganz nahe.

Mir vorzustellen, wie es sich anfühlen muss, dort vorn zu stehen, wenn dieser Bug in der Antarktis durchs Packeis bricht, verursachte mir ein herrliches Abenteuerkribbeln!

Dass eine Expeditionskreuzfahrt auch heutzutage durchaus abenteuerlich und unkalkulierbar sein kann, erlebte ich bei den Kirke Narrows. Eigentlich war mein Plan, bei der Passage dieser engen Fahrrinne auf dem ausfahrbaren Glasbalkon zu schweben. Doch starker Seitenwind und die extreme Strömung von 6 Metern pro Sekunde in den Stromschnellen machten dieses Manöver so spannend, dass ich mein Vorhaben ganz vergaß.

Ein Zodiac musste für das Expeditionsschiff den Weg erkunden und überhaupt ist man immer mittendrin im Expeditionsgeschehen – ob beim Kapitän auf der für Gäste offenen Brücke oder im Zodiac auf Exkursionen zum Pio XI oder Garibaldi Gletscher.

Wettermalerei und Wolkenkunst

Mit Wetterextremen muss man natürlich in dieser Region immer rechnen, aber wenn ich ehrlich bin: In einer so wilden, ungezähmt rauen Region wie den Chilenischen Fjorden wäre nur Sonne auch langweilig.

Gerade die bizarren Wolkenformationen, der Wechsel von Dunkel und Hell, von Gischt und sonnengleißenden Wolkenlücken verursachen eine ganz besondere Stimmung. Überhaupt hatte ich unglaubliches Glück mit dem Wetter!

Sogar die oft wegen der Wetterkapriolen abgesagte Bootsfahrt zu den Pinguinkolonien auf der Magdalenen-Insel fand statt. Zwar kannte ich schon unterschiedlichste Pinguinarten von meiner Antarktis-Expedition vor zwei Jahren, aber die putzigen Magellan-Pinguine und die Vogelvielfalt dort waren beeindruckend! Ganz besonders sind aber diese Momente, wenn Luxus und Abenteuer sich auf wundersame Weise ganz harmonisch verbinden.

An Deck im beheizbaren Außenbereich des Lido zu sitzen, mit einem Glas Champagner in der Hand und die gigantische Fjordlandschaft vor Augen.

Solche Augenblicke machen es einem alles andere als leicht, wenn es in Ushuaia dann heißt, „Adieu“ zu sagen.

Wie gerne wäre ich noch 20 Tage an Bord geblieben und am nächsten Tag über Südgeorgien und die Falkland-Inseln in die Antarktis weitergefahren. Wenn man schon so weit anreisen muss!

Aber diese Option bleibt ja immer noch offen, wenn ich nochmal wiederkomme. Und dann, dann würde ich am liebsten in meiner Lieblingssuite, der Grand Suite wohnen, im Spa relaxen und vom beheizbaren Pool aus das Panorama bewundern!