Reisebericht Charleston & Kiawah Island Juni 2018

Selbst wenn man, wie ich, bereits viele Male in Nordamerika war, so findet man doch immer noch Ecken und Regionen, die auch für mich vollkommen neu und entdeckenswert sind.
Meine letzte Kurztour vor zwei Wochen führte mich in genau so eine Region – nach South Carolina. In die Südstaaten.

Schon vor Abreise schwirren in mir Bilder von Plantagenhäusern und langen Alleen, von deren Bäumen ganz typisch das „Spanische Moos“ in langen Bärten herabhängt. Ich denke an herzhafte Küche und typische „southern“ Gastfreundschaft und natürlich auch an jenes Stück amerikanische Geschichte, das untrennbar mit der Region verbunden ist. Was ist real, was ist Klischee? Ich bin bereit, es herauszufinden!

Bezaubernd und wirklich historisch – Charleston

Meine erste Station ist Charleston. Natürlich erinnere ich mich noch an die schrecklichen Bilder der Flutkatastrophe, die Irma 2017 mit sich brachte. Wie wird es vor Ort aussehen? Voller Spannung hänge ich gleich, als wir in die Stadt reinfahren, vor Staunen meinen Kopf aus dem Fenster wie ein Kleinkind (wieder mal bin ich sehr dankbar, dass ich Beifahrer sein kann). Ich denke nur: „Wie bezaubernd!“
Tatsächlich finde ich Straßenzug um Straßenzug entzückend-liebliche Häuserfassaden, belebte Bürgersteige, ansprechende Restaurants, viele Blumen und Pflanzen. Wenige US-Städte haben mich gleich beim Ankommen mit so einem liebevoll stimmigen Stadtbild so positiv überrascht und willkommen geheißen. Meist muss man sich doch erst bis zum touristischen Zentrum oder Downtown vortasten, ehe es dann wirklich einladend wird. Und nicht selten sind die historischen Zentren der Städte dann sehr überschaubar.
Und über den Begriff „historisch“ kann man dann in Amerika oftmals auch streiten. Nicht in Charleston.

Luxus mit Wohlfühlfaktor – Belmond Charleston Place

Belmond Charleston PlaceAm Endziel, dem Belmond Charleston Place, angekommen, staune ich erst mal über den imposanten und besonderen Brunnen in der Einfahrt, der aus vier lebensgroßen Bronze-Pferdestatuen besteht, und frage mich, ob ich mich noch rasch präsentabler kleiden soll.
Sandalen gegen Pumps? Weit gefehlt! Das Stadthotel in prominenter Lage lässt zwar nichts an internationalem Glanz vermissen, punktet aber mit einer ungezwungenen Atmosphäre: Fantastische Restaurants, ein Pool im obersten Stock, einen erstklassigen Spa, hochwertige Boutiquen und natürlich der zeitlos-geschmackvolle Chic des Zimmers, in dem ich mich nach einem aufregenden Tag mit einem Seufzer in das gemütliche Bett fallen lasse.
Das Belmond Charleston Place schafft die perfekte Balance zwischen Luxushotel mit persönlicher Note und absolutem Wohlfühlfaktor.

Streifzug zwischen Puppenhäuschen und Marktständen

Die Markthalle von CharlestonIch entdecke Charleston zu Fuß und erlebe eine liebenswerte Stadt, deren junges und frisches Flair, kombiniert mit entzückenden historischen Häusern, in mir den „Wohlfühlmodus“ auslöst. Kleine nette Geschäfte von lokalen Designern, Bars und Restaurants und natürlich auch zahlreiche Kirchen prägen das Bild. Günstige Fast-Food-Läden findet man kaum, das Stadtbild ist durchweg geschmackvoll.
Hier kann man sich einfach planlos treiben lassen, und selbst in den Seitenstraßen entdecke ich nicht selten Restaurants oder einen liebevoll gepflegten Garten. Natürlich darf auf meinem Stadtspaziergang auch der historische „Stadtmarkt“ nicht fehlen, auf dem neben echtem Kunsthandwerk, wie den typischen Flechtarbeiten aus „Sweetgras“ oder authentischen Gewürzen der Südsaatenküche, natürlich auch geschmacksbefreiter Schnickschnack nicht fehlen darf.

Durch alte Alleen zum Schauplatz von „Fackeln im Sturm“

Dass auf einer Südstaatenreise aber natürlich auf keinen Fall eine typische Plantage fehlen darf, ist klar! So führt mich mein Weg zur Boone Hall Plantation und alleine die Fahrt dorthin ist beeindruckend. Die von mächtigen Bäumen mit „spanish moss“ gesäumte Alleen, auf die sich vereinzelt ein Sonnenstrahl stiehlt und ein ganz besonderes Licht zaubert, sind ein echtes Erlebnis!

Auch zur Boone Hall Plantage führt eine solch prächtige Auffahrt und man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie früher die Kutschen diesen Weg entlang rollten. Da wundert es dann nicht, wenn man bei einer späteren Führung erfährt, dass die Plantage bereits oft als Filmkulisse diente. Stichwort: Fackeln im Sturm.

Boone Hall Plantation. Drehort von "Fackeln im Sturm"Durch die Plantage führt uns ein älterer Südstaaten-Gentleman und auch, wenn ich den Begriff „Gentleman“ selten gebrauche: Hier ist er der einzig passende Ausdruck! In einer kurzweiligen, charmant-humorigen Tour erfahren wir alles über die Geschichte der Plantage, die bis ins Jahr 1681 zum Engländer John Boone zurückreicht. Neben dem Plantagenhaus kann man noch diverse andere Touren buchen, Aufführungen im Amphitheater oder auch Ausstellungen zum Thema Sklavenhaltung besuchen.

Schließlich stoppe ich noch an den Magnolia Plantation and Gardens, ausgezeichnet als einer der schönsten Gärten des Landes. Neben verschiedenen Touren, unter anderem der Führung durch das Plantagenhaus und der Fahrt in einem Bummelzug, der sich dem Thema Natur & Tierwelt widmet, kann man auch einfach nur durch den Garten laufen und sich vom koketten Geschrei zahlreicher Pfauen begleiten lassen.

Spanish Moss - typisch für die SüdstaatenHier erfahre ich auch endlich alles über das „Spanish Moss“, eine Flechte, die von den Bäumen hängt und wohl für eines der typischsten Fotomotive der Südstaaten zuständig ist.
Der viel geläufigere Name für die "Bartflechten-Tillandsie" stammt von den Franzosen, die die Flechten "Spanischer Bart" nannten. Als kleinen Racheakt für die Eroberungs-Rivalen aus Spanien.

Doch das von South Carolina bis hinunter nach Argentinien und Chile wachsende „Spanish Moss“ hat mit Moos nichts zu tun. Botaniker vermuten sogar eine Verwandtschaft mit der Ananas und diese seidig herabhängende Flechte ohne Wurzeln holt sich alles zum Leben aus der Luft. Die frühen Einwanderer aus Europa stopften mit Spanish Moss sogar ihre Kissen und Matratzen!

Unverhofft kommt oft – und manchmal auch ein Alligator

Der Strand mit Beach Club auf Kiawah IslandDie Zeit in Charleston vergeht leider wie im Flug und schon muss ich, wenn auch wirklich mit einem tränenden Auge, die Stadt zurücklassen und mache mich auf Richtung Kiawah Island. Und das ist dann natürlich ein weiterer Pluspunkt: Kaum fährt man 50 Minuten, ist man schon am Strand angekommen und steht barfuß im überraschend warmen Wasser. Am Strand schlafen will ich aber nicht, daher beziehe ich mein Zimmer im The Sanctuary Kiawah Island Golf Resort.
Und hier folgt die nächste Überraschung! Natürlich hatte ich, besonders anhand der hoteleigenen Homepage eine Vorstellung, was mich erwartet. Das warf ich dann aber doch sehr schnell alles über Bord. Ich erlebe eine herrlich entspannte Atmosphäre in einem liebevoll, im Südstaatencharme eingerichteten Hotel.
Dunkle, polierte Holzböden, große Teppiche, gemütliche Sitzgelegenheiten, eine stark frequentierte Bar sowie große Fensterfronten sind schlichtweg einladend.

Das Publikum ist der perfekte Mix aus Alt & Jung, Familien und Paaren und sogar Einzelreisenden – hier ist Jeder willkommen und vor allem: Jeder kann sich wohlfühlen.

Wohin und was zuerst? Südstaatenküche geht immer…

Ich erkunde auf einem der zahlreichen Radwege die Insel (mit dem Beach-Bike geht es sogar direkt am Strand entlang) und treffe neben zwei faulen Alligatoren zahlreiche Golfer, die mir zuwinken oder sogar ein Pläuschchen mit mir beginnen. Neben den perfekten Voraussetzungen für Golfer punktet das Resort auch mit einer prämierten Tennisakademie und einem umfangreichen Aktivitätenprogramm (Beachclub, Surfen, Pools, Spa, Fischen, Fitnesskurse, Bogenschießen, Basketballcourt, Malkurse, saisonaler Kinderclub).

Die eigentliche Frage ist nur: Was mache ich zuerst? Essen. Immer ein guter Plan. Im Cherrywood BBQ & Ale House am Osprey Point Clubhaus sitze ich auf der Terrasse, schaue über den Golfplatz Richtung Sonnenuntergang, genieße herrlich deftige Südstaatenküche und beobachte in der Tat, wie sich Alligatoren im Teich unterhalb tummeln. Das hat dann schon ein wenig Safari-Charakter.

Irgendwann hat alles ein Ende und ich reise ab. Wehmütig. South Carolina, das natürlich nicht nur aus Charleston und Kiawah Island besteht, steht bei den wenigsten Gästen auf der „to-do“ Liste. Ich möchte hier ausrufen: ein Fehler! Es ist so charmant anders als die üblichen Zentren wie Miami, New York oder Los Angeles, an die man oft zuerst denkt. Ein perfekter Mix aus Stadt, Meer und authentischer Geschichte – kompakt beisammen. Ich komme wieder. Bald.