Auf in die Anden, zu Lichtkunst und Wein

Fast 1.700 km oder zwei Flugstunden von der Hauptstadt Buenos Aires entfernt, führt mich meine Reiseroute in den Nordwesten Argentiniens, in die Provinz Salta. „Die Wunderschöne“, wie sie von den Indigenen genannt wird, grenzt im Westen an Chile, im Norden an Bolivien und im Osten an Paraguay.

Diese zauberhafte Provinz bietet grandiose und kontrastreiche Landschaften. Magische Orte, wie die Hochtäler des Calchaquís, in denen die Winde von den Andengipfeln herunterfallen und die rötlichen Bergflanken streicheln. Oder die raue Puna inmitten der Anden und zerfurchte Schluchten bis hin zu den subtropischen Wäldern in der nördlichen Region.

Straßenlegende Ruta 40

Auf meiner Fahrt entlang der legendären Ruta 40, auf staubigen Pisten und über den höchsten Bergpass Amerikas, den Abra el Acay mit knapp 5.000 Metern, heißt mich eine Gruppe Alpakas in der Kakteenlandschaft willkommen.

In der Provinz Salta, die fast die Hälfte des deutschen Territoriums ausmacht, ist der Einfluss der Andenkultur überall spürbar. Selbst für Argentinier aus anderen Landesteilen ist diese Provinz exotisch und geheimnisvoll. Das ist nicht verwunderlich, denn seit Jahrhunderten durchquerten die Nachkommen der Inkas diese Region.
Selbst kulinarisch ist die Region vom andinen Einfluss geprägt.

Weinanbau auf 3.111 Metern & ein Museum des Lichts

Von der Weinstraße biege ich am Nachmittag in der kleinen Ortschaft Molinos in ein Seitental ein. Nach knapp 20 weiteren Kilometern erreiche ich ein Juwel: die Estancia Colomé, das älteste Weingut Argentiniens, das inmitten der Ruhe und des Schutzes der Berge liegt. Colomé produziert auf der „Altura Máxima“ von 3.111 Metern nach biodynamischen Grundsätzen erlesene Weine.
Hier erlebe ich in einem Weinberg die geradezu kitschige Romantik eines Sonnenuntergangs mit traumhaft gefärbtem Himmel. Und ich treffe auf ein Museum im Nirgendwo, Kunst im Paradies: Eine fantastische Überraschung! Ein Lichtmuseum auf einer Höhe von 2.300 Metern mit atemberaubendem Blick auf die Gipfel der Anden.
Die Werke des zeitgenössischen amerikanischen Künstlers James Turrell entfalten dort ihre eigene magische Kraft, die mich vollkommen in den Bann zieht.

Bei einem Zwischenstopp zum Mittagessen auf dem Weingut Piatelli genieße ich auf der Terrasse ein köstliches Mittagessen mit herrlichem Blick über die Weinberge von Cafayate.
Über die Quebrada de las Conchas mit einer Landschaft wie aus einem Italowestern und über „Deutschland“, den kleinen Ort Alemania, führt mich mein Weg zurück in die Provinzhauptstadt Salta.

Gaucho-Feeling und Jasmin

Dort empfängt mich die liebenswerte Estancia „House of Jasmines“, ein Mitglied von Relais & Châteaux, mit ihrem 100 Hektar großen Garten und einer sehr persönlichen Atmosphäre.
Um das Gaucho-Feeling zu untermalen, unternehme ich einen ausgedehnten Ausritt, vorbei an kristallklaren Bächen und über frische Wiesen, die mich die Harmonie der „Pacha Mama“ fühlen lassen.

Die Region Salta hat mich mit ihrer Schönheit und den exzellenten Weinen überwältigt. Ein Reiseziel, das sich ganzjährig bereisen lässt und für mich definitiv ein Highlight in Argentinien ist.
„Du Schöne, ich werde Dich wiedersehen!“ Das schwöre ich mir, als mich ein Direktflug bereits zu meiner nächsten Reiseetappe führt - zu den gewaltigen Wasserfällen in Iguazú.
Doch das ist wieder eine andere Geschichte …