Im Körper eines Krokodils

Iatmul-Männer tragen alle die KrokodilhautDer Sepik gilt als einer der geheimnisvollsten Flüsse der Welt, wie eine braune Schlange windet er sich 1.126 Kilometer durch dampfenden Urwald vom zerklüfteten Hochland an den Pazifik. Nur wenige kaum befahrbare Pisten führen in die immergrünen, undurchdringlichen Eingeweide Papua Neuguineas, der Sepik alleine ist es, der den wenigen Menschen Zutritt in diese geheimnisvolle Welt gewährt.

Mit einer Privatyacht in den Urwald

Die Luft ist drückend schwer, das Brummen des Schiffsmotors wird von den grünen Wänden links und rechts der Ufer verschluckt, nach vielen einsamen Kilometern tauchen Pfahlbauten mit steilen Grasdächern auf. Es ist das Dorf der Krokodilmänner – keine Hollywood-Fiktion, sondern Kulisse für eines der schmerzhaftesten Männlichkeitsrituale der Welt. Und dem bis heute kein Fremder beiwohnen darf, dessen bizarres Ergebnis allerdings ein kleiner Kreis von Reisenden sehen darf – an Bord der YachtTrue North.

Ein blutiges Ritual ohne Narkose

Auch die Brust trät das KrokodilmusterWer diese Krokodilmänner das erste Mal sieht, ist hin und hergerissen zwischen Faszination und Abscheu, ihre Rücken und Teile der Brust glänzen schuppig wie der Panzer eines Krokodils. Bis es so weit ist, durchleben die jungen Männer ein wahres Martyrium. In einer geheimen Zeremonie im Geisterhaus, der ausschließlich der Ältestenrat beiwohnen darf, wird ihre Haut tief nach bestimmtenMustern eingeschnitten.
Diese Narbentataurierung kostet bis zu zwei Jahresgehälter und gilt beim Volk der Iatmul als Statussymbol, denn sie sehen sich als direkte Nachfahren der Krokodilfrau Kana. Die Krokodil-Novizen sitzen während der Prozedur erst rittlings für den schlimmsten Teil, die Brust, dann bäuchlings liegend, auf einem hölzernen Kanu, ertragen das tiefe Einschneiden ihrer Haut nur durch Betäubung mit Pflanzengift. Narkosen sind hier, am Ufer des Sepik, ebenso unbekannt, wie sterile Klingen und Desinfektionsmittel.

Die Krokodilhaut entsteht

Wer nach rund drei Stunden noch bei Bewusstsein ist, verliert es dann oft beim Einklopfen der Asche in die offenen Wunden oder danach beim Auswaschen der über 500 Schnitte im schlammigen Wasser des Sepik. Dass es während des Rituals sehr blutig zur Sache geht, wird als ein Ablassen vom mütterlichen Blut und somit von allemWeiblichen interpretiert. Das heilende Kokosöl schließlich kann nur noch mit Federn auf die „Krokodilhaut“ aufgetragen werden, so empfindlich sind die bearbeiteten Bereiche.

Iatmul-Fischer auf dem SepikUnd doch: jeder Mann, der bei den Iatmul als mündig und heiratsfähig gelten will, unterzieht sich dem uralten Ritual. Rund drei Wochen bleiben die Novizen danach im Tamban, dem Geisterhaus. Sitzend, in der einzigen ertragbaren Position. werden sie von den Dorfältesten gepflegt. Dieses Haus darf generell niemand betreten, außer die Dorfältesten und – die Gäste der True North, die dort alles über das Ritual der Krokodilmänner erfahren.

Die Iatmul sind nur eines unter vielen Völkern, die an den Ufern des Sepik leben und ihr für unsere Augen grausames Ritual ist nur eines unter vielen, das seit Jahrtausenden jeden Tag in den Urwäldern Papua Neuguineas zelebriert wird. Kein Weißer wird wohl jemals Zeuge dieser Rituale. Das Ergebnis aber präsentieren die Krokodilmänner stolz und es ist ein seltenes Privileg, das einzig und alleine der geheimnisvolle Sepik ermöglicht. Auf einem Schiff wie der True North.

art of travel Kultur-Special
12-tägige Yacht-Cruise auf dem Sepik River zu verschiedenen ethnischen Gruppen Papua Neuguineas und exklusiven Besuch im Dorf der Krokodilmänner.