John im Glück

Ein Land so klein wie die Schweiz mit nicht einmal 700.000 Einwohnern, zwischen den Gipfeln des Himalayas wo die Luft dünn wird aber vibriert von Magie. Ein Königreich, dessen Reichtum sich am nationalen Glücksindex der Einwohner misst statt am Bruttoinlandprodukt und das bis 1960 keine Straßen und Elektrizität hatte, dafür aber über 2.000 Tempel und Klöster.

Manager von Amankora John ReedBhutan – Land des Donnerdrachens in den Wolken, irdisches Shangri-La und Perle des Buddhismus. Wie lebt es sich in diesem Land, das so entrückt und weltfremd wirkt und doch eine geistige Größe beweist, die dem Westen weit überlegen scheint?
Diese Frage haben wir jemandem gestellt, der beide Seiten kennt und seit elf Jahren in Bhutan lebt. John Reed, Amerikaner und General Manager der Aman-Lodges Amankora Paro, Thimphu, Punakha, Gangtey und Bumthang.


Der Gross National Happiness Index stellt dar, wie glücklich Die Menschen in Bhutan sind. Leben Sie hier tatsachlich glücklicher als im Westen?
Ja. Das beginnt schon damit, wie viel ich hier mit Amankora erreicht habe und vor allem welche Wertschätzung mir dafür entgegengebracht wurde. Die Lebensphilosophie der Bhutanesen führt generell tatsächlich dazu, dass man in einem glücklicheren und zufriedeneren Umfeld lebt als in meiner Heimat.

Gibt es etwas in Bhutan, über das Sie bis heute staunen können?
Die Kombination aus einer tief verwurzelten, uralten Kultur und einer faszinierend komplexen Religion inmitten einer unfassbar schönen Landschaft – das hört nie auf, mich jeden Tag aufs Neue zu begeistern. Ebenso wie die Offenheit, die mir hier von Anfang an entgegengebracht wurde.
Die Bhutanesen unterscheiden nicht zwischen „uns und denen“. Für sie gibt es nur ein kompromissloses Wir. Selbst das Königshaus ist so offen, dass wir mit Amankora als erstes Joint Venture-Unternehmen überhaupt nach Bhutan durften und seither die größtmögliche Unterstützung von allen Seiten bekommen.

Sie können Dank Ihrer Kontakte Amankora-Gasten eine Audienz bei einem Rinpoche arrangieren…
Ein Rinpoche ist ein wiedergeborener Mönch, der mit den Gästen über Tod und Leben, Wiedergeburt und die Lehren des Bhuddismus spricht. In der kerzenlichtflackernden Stille vor einem Altar aus dem 8. Jahrhundert zu sitzen, diesem in sich ruhenden Mönch zu lauschen und die unterschwellige Energie dieses Ortes zu spüren… Das ist magisch.

Glücklichsein als AltersvorsorgeWelche Art von Glücklichsein erwartet denn Reisende in Bhutan?
Eine menschliche. Wer in Bhutan unterwegs ist, wird ganz selbstverständlich in das Leben integriert. Hier eine Tasse Tee in der Wohnküche, dort eine Einladung zum gemeinsamen Essen oder der Segensspruch eines Rinpoches…
Es ist eine ehrliche Herzenswärme, die wirklich glücklich macht.

Immer ein LächelnDas klingt, als wäre es ein Kinderspiel gewesen, die Lodges zu dem zu machen, was sie heute sind.
Alleine fünf Lodges vom Format der Amankora gleichzeitig ins Leben zu rufen, war ein gigantischer logistischer Aufwand. Vieles musste mühsam in diese abgelegenen Regionen gebracht werden, obwohl wir so viel wie möglich vor Ort beziehen: In einem Land, das bis 1960 keine befestigten Straßen hatte, war das oft kein Kinderspiel.

Unweit von Amankora Punakha gibt es den „Tempel des Heiligen Narren“. Kann man sich als westlich geprägter Mensch je mit dieser Kultur identifizieren?
Der Chhimmi Lhakang von Drukpa Kinley hat Humor, Witz und Unartigkeit eingesetzt, um die Lehren des Bhuddhismus zu verbreiten. Also tat er eigentlich auch nichts anderes als Politiker und Kleriker heute: Sie spielen den Menschen oft etwas vor, um sie von etwas zu überzeugen.
Ich finde den Heiligen Narren von Bhutan also gar nicht so skurril…

Religion spielt eine wichtige Rolle in BhutanMuss man denn ein ausgeprägtes Faible für Religion mitbringen, um Bhutan interessant zu finden?
Auch, aber nicht nur. Auf meinen vielen Trekkingtouren haben mir bhutanische Freunde eine Landschaft gezeigt, die mir bis heute kaum real erscheint. In Bhutan wachsen 100 verschiedene Rhododendren und zerbrechlich-zarte Mohnblumen, die es nur hier gibt. Man kann an einem Tag verschiedenste Ökosysteme durchwandern und das in einer so glasklaren Luft und allumfassenden Stille, dass man wie betrunken davon wird. Ich bin sicher: Bhutan mach jeden auf die eine oder andere Weise glücklich!