Kartoffelmuseum - El parque de la papa

Erdbirn, Grübling, Flezbirn, Erdapfel, Grundbirn… Die Kartoffel hat im Laufe ihres Eroberungszuges in Europa viele Namen bekommen. Auf der Suche nach ihrem Ursprung diskutieren Chile und Peru noch heute um ihre „Rechte an der Kartoffel“. In einem Museum kann man sich auf Spurensuche begeben. Die Kartoffel kam etwa ab 1565 über die Kanarischen Inseln nach Europa, wurde hier zuerst wegen ihrer hübschen Blüten und des üppigen Wuchses als Zierpflanze in Gewächshäusern kultiviert, bevor sie dann Anfang des 18. Jahrhunderts als Nutzpflanze in größerem Stil angebaut wurde.

Das Kartoffeljahr
2008 wurde von der UNO zum „Internationalen Jahr der Kartoffel“ ausgerufen und Chile und Peru haben wieder einmal die Diskussion angefacht, wer denn nun endlich die Urknolle für sich beanspruchen darf. „Die Grundbirn stammt natürlich aus Chiloé“, einer Insel vor der Küste Chiles, sagen die Chilenen, weil laut DNA-Analysen „praktisch alle niederländischen Erdbirnsorten aus Chile kommen“. Die Peruaner fechten das nicht an, stammen ihrer Meinung nach doch alle chilenischen „Bramburi“ von peruanischen ab. Das Internationale Grombiera-Zentrum in Lima ist selbstredend kein unparteiischer Ort. Man gesteht den Nachbarn großzügig die Leistung an der Verbreitung der Kartoffel zu, verweist aber stolz darauf, dass Peru mit gut 3.000 Sorten die weltweit größte Vielfalt bietet.

Ein Park für die Knolle
In enger Zusammenarbeit mit dem Institut in Lima, ist im Hochland von Cusco, der erste und einzige Kartoffelpark – El parque de la papa – der Welt entstanden. Sechs Quechua Gemeinden haben sich zusammengetan, um die ursprüngliche Grüblingvielfalt wiederherzustellen. Die Gemeinschaften, von denen sich manche bis vor kurzem noch befehdet hatten, sorgen jetzt zusammen für über 1.200 Sorten, die farbliche Vielfalt spiegelt sich auch in den Trachten der Bewohner wider. Schwarz, Braun, Violett, Gelb und das Ganze knubbelig, länglich, gekrümmt, rund, groß, klein und schließlich ganz verwachsene, deren sorgfältige Zubereitung in manchen Gegenden als Test für künftige Schwiegertöchter verwendet werden. Für alle, die in einer Flezbirn mehr als nur Pommes frites sehen, ist der Besuch eine Reise in einen winzigen, aber umso faszinierenderen Bereich der ehemaligen Vielfalt auf dem südamerikanischen Kontinent.