Kultur zwischen den Zeiten

„Allah schuf das Kamel aus einer weichen, weißen Wolke. Die aber schwebte davon ohne Halt finden zu können. Da entschloss sich Allah, die Erde zu schaffen, umdem Kamel eine Heimat zu geben.“ Diese Geschichte kennt in Dubai jedes Kind und die Wüstenvölker sagen, sie lebten durch die Gnade Allahs und den Segen der Kamele. Keiner weiß, wie lange das Kamel schon eine Rolle in der Geschichte Dubais spielt, doch diese ist alt – sehr, sehr alt.

Altstadt am Dubai CreekDass man in Dubai in der größten Shopping Mall derWelt ganz selbstverständlich „Camelccino“, Cappuccino mit Kamelmilch, und auch Kamelmilchschokolade in allen Varianten findet, ist typisch. Und es ist so bezeichnend für das Emirat, dass man diesem ganz besonderen Aspekt der Kulturgeschichte mehr Aufmerksamkeit widmen sollte, als Reisender vielleicht sogar muss.

In Dubai mischen sich Alt und Neu

Die arabische Kultur, dieTraditionen und das Leben der Beduinen sind wesentliche Teile der orientalischen Welt und schon in epischer Breite beleuchtet worden. Doch wer nach Dubai kommt, findet nicht nur Schwarz oderWeiß, alt oder neu. Das ist das vielleicht Faszinierendste daran: Dass das Uralte und Hypermoderne dort nicht zu trennen sind, dass die Geschichte vom Wolkenkamel ebenso präsent ist, wie Luxusschokolade in Delikatessen-Boutiquen.

Bur Dubai & Al Bastakiya - die Altstadt

Viele mag es überraschen, dass in der artifiziellen Megacity noch einiges an alter arabischer Kultur des einstigen Perlentaucherdorfs überlebt hat, das kein aufgehübschtes Touristenspektakel ist. Bur Dubai heißt der alte Teil der Stadt jenseits des Dubai Creek, an dem die traditionellen Daus schwer beladen mit Gewürzen aus Iran, Sansibar und Indien wie aus einer anderen Zeit gefallen wirken, und wo Abras, hölzerne Wassertaxen randvoll mit Menschen, hin und her knattern.
Lampen auf dem Madinat- Souk Auf dem SoukIm alten Kern Bur Dubais, in Al Bastakiya, bestimmen statt Stahl und Glas plötzlich die Windtürme persischer Handelshäuser aus Lehm, Muscheln und Kalkstein das Straßengeflecht. In den mächtigen, zweiflügeligen Holzportalen der historischen Häuser gehen die Gäste bis heute durch die darin eingelassene, viel niedrigere Nebentür, damit sie sich bücken müssen und die Frauen eventuell noch die Möglichkeit haben, das Gesicht schnell hinter dem Schleier zu verbergen.

Man muss mit wachen Augen oder am besten einem Einheimischen unterwegs sein, um einen Blick für das faszinierende Nebeneinander von Vorgestern und Übermorgen zu entwickeln. Oder um das Geheimnis der qualmenden Gefäße zu lüften, die vor vielen Läden vor sich hin duften: Bakhour, der aromatische Rauch erlesener Hölzer, der zum „Parfümieren“ für unterwegs kurz unter die weite Kleidung gehalten wird.Das Deodorant von einst in den Souks von heute – gängige Tagesordnung.

Teetrinken im Cultural Village Fischerboot auf dem CreekEin ganzes Dorf zur Bewahrung der Tradition

Auch wird man feststellen, dass Kunstwelten wie das Heritage Village, in dem Schausteller die alten Traditionen wiederbeleben, nicht nur und ausschließlich ein Touristenspektakel sind. In den feinen Zwischentönen schwingt etwas mit, das eine Trennung zwischen gespielt und authentisch fast unmöglich macht. Denn es sind weitgehend die Emiratis selbst, die sich hier zum Wasserpfeiferauchen, Fladenbrotessen und Feilschen treffen. Selbst der Gold-Souk Dubais ist, bei genauer Betrachtung, ein Kulturschauplatz. Nicht nur, weil das laut gestikulierende Feilschen ein Teil arabischer Handelskultur ist, sondern auch, weil bis heute Gold die Mitgift schlechthin ist. Und bis heute kann diese auch mit einer zweiten oder sogar dritten Ehefrau den Einzug in die Großfamilie so manchen Scheichs finden.

Über Dubais Kulturgeschichte und Traditionen lässt sich viel lesen und recherchieren. Aber kaum darüber, wie das Alte Einzug ins 21. Jahrhundert findet. Und nur wer hinfährt wird vollends verstehen, um was es geht. Um eine Kultur zwischen den Zeiten.

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