Azoren mit der Chronos

Wind und Meer bestimmen das Routing

Eigentlich hatte ich mir Sonne und strahlend blauen Himmel gewünscht, als ich auf der Azoren-Insel Faial an Bord der Stagsegelketch Chronos ging um mal richtig zu segeln – oder besegelt zu werden!

Und los geht die Fahrt!Natürlich hatte ich mich vorher informiert: Man muss im tiefsten Atlantik jederzeit mit Wind und Regen rechnen. Nach 10 Tagen mit täglich gefühlten vier Jahreszeiten im Wechsel war mir klar: Anders hätte es gar nicht sein dürfen!

Die Wetterkapriolen sorgten für fantastische Lichtstimmungen
Gerade diese Wetter-Facetten haben zum Gelingen meiner Azoren-Tour beigetragen, denn die Farbenvielfalt (Wolkenformationen am Himmel, Lava-Terrassen mit saftigem Grün wegen Regen, blühende Vulkankrater, Meer mit Wellen und weißen Schaumkronen) – nicht nur auf den zu Hause gesichteten Fotos – war einzigartig.
Und trotz des launischen Wetters galt an Bord die Devise: Barfuß aber mit Fleece und Regenjacke - herrlich locker und ungezwungen!

Typisch Azoren - Barfuß mit WindjackeÜberraschende Vielfalt

Jeder der 20 Mitreisenden hat etwas für sich gefunden: Baden oder Schnorcheln, Wandern über die vielen Caldeiras oder sogar Wasserskifahren und Kajaking. Oder einfach nur ein Sonnenbad zwischen den Segeln nehmen, während die schönsten Panoramen, belebt von einem Wolken umwobenen Pico, vorbeiziehen. Und dann diese Hortensien-Pracht überall!
Oder ein Stadtbummel durch die Gässchen von Faial mit Besuch des Gemüsemarktes und natürlich die vielen Delfine und Wale, die die Chronos begleitet haben!
Sie sehen, ich gerate schon wieder ins Schwärmen…

Mein LieblingsplatzBesonders schön war aber trotzdem immer wieder der Moment, wenn wir in den beiden bordeigenen Zodiacs zurück an Bord gebracht wurden. Denn dort duftete es dann immer schon je nach Tageszeit nach Kaffee oder es wartete ein feiner Sundowner auf uns. Herrlich, von der Crew verwöhnt zu werden oder es sich nach einem Ausflug mit einem Buch auf der Liegematte im Bug bequem zu machen…

Für das Dinner-Menü wird schon mal das Segel getrimmt

Da wächst die Vorfreude Mein DessertÜberhaupt kam ich mir manchmal vor wie auf einem Luxusliner, was sicher an meiner edlen Teakholz-Mahagoni-Kabine (mit großem Bad) und dem kleinen, feinen Frühstücksbuffet oder der Teatime mit selbstgebackenem Kuchen lag.

Das Frühstück gibt es in Buffetform
Ja, das Essen… Immer wieder bereicherten regional zugekaufte Köstlichkeiten das leichte, mediterrane Menü. Natürlich kann man kein 6-Gänge-Menü erwarten, aber dafür gab es frischen, morgens vom Fischerboot gekauften (Chronos trimmte extra die Segel) White Snapper und den berühmten Inselkäse von São Jorge.

Gerade vom Fischkutter gekauftUnser Berliner Koch Randolf zauberte mit Ideenreichtum und Improvisationstalent in einer winzigen Küche erstaunliche Leckereien. Mit der Schiffsglocke wurden wir zum Dinner gerufen – bei Sonne an Deck, sonst im holzgetäfelten hellen Salon, wo sich auch eine Bar befindet.
Wenn das Azorenwetter einmal wieder schlechte Laune zeigte, trafen wir uns dort gerne und lauschten unserem Lektor.

Achtung Captain speeking!

Achtung Captain speeking Immer gut gelaunt - die CrewDie täglichen Abläufe sind natürlich nicht mit den üblichen Kreuzfahrten zu vergleichen, eher ein wenig mit jenen von Expeditionskreuzfahrten. Wenn unser holländischer Kapitän Ron beim Frühstück mit einem „Achtung Captain speeking“ und der Seekarte vor uns trat, lauschten alle gespannt, wo uns der Wind und die Strömung heute hinführen würde.

Oft konnten wir das schnelle Schiff hart am Wind segeln und wer wollte, durfte mithelfen – oder einfach nur mit der Kamera zwischen den Matrosen rumspringen und tolle Fotos machen. Wenn Wale mit dem Schiff spielen…

Wale in Sicht!Zwischen Pico und Sao Jorge entdeckte unser Matrose Matthew „Wale Steuerbord achtern“ und läutete damit den Höhepunkt der Tour ein. Steuermann Peter stoppte das Schiff und wir konnten geschlagene 90 Minuten Wale aus allernächster Nähe beobachten. Drei fast 30 Meter lange Blauwale spielten scheinbar mit der 54 Meter langen (und damit nicht so sehr viel größeren) Chronos.
Irgendwie stellte sich dabei die Frage: Wer bestaunt hier wen? Die Wale schienen mindestens genauso neugierig auf uns wie wir auf sie.

Die Wale kamen unglaublich nahDen Blas konnte ich ja bereits auf meiner Antarktis-Tour in gewisser Entfernung mehrfach bestaunen, aber so hautnah diese riesigen Blauwale zu erleben und den Blas spüren, ein merkwürdiger Geruch und die Nebelfontaine im Gesicht, das war schon eine andere Nummer.

Steuerfrau Monika Möhring

Herrin über fast 1.000 m² Segelfläche - ichSelbst am Ruder stehen und unter Anleitung von Steuermann Peter "Kurs 330 Grad Nordnordwest" fahren, die ganze Gewalt der Segel und des Rumpfs in der Hand spüren – das hat nicht nur die Routiniers an Bord gefesselt, sondern auch mich als bekennender Luxus-Kreuzfahrtfan.
Überhaupt waren interessante Gleichgesinnte mit an Bord: Skipper, Segelschiff-Eigner, Hobbyfilmer und Hai-Taucher…

Was bei einer solchen Segelkreuzfahrt immer gefragt ist, ist Improvisationstalent. Denn auch die Landausflüge sind wegen der kurzfristigen, an die Natur angepassten Reiseverläufe, nicht vorher planbar.
Eine große Herausforderung für Kapitän Ron – und auch für unseren Reiseleiter – war die Frage: Was organisieren wir so kurzfristig im nächsten Anlaufhafen?

Schöner als bei ''Titanic''Es hat meist super funktioniert: Alle Gäste in die Zodiacs zum Übersetzen, dort warteten drei angemietete Fahrzeuge für eine Fahrt zur Wandertour in die Caldera, zum Besuch eines Fischlokals, der berühmten Käserei auf São Jorge oder einfach ein Kultur-Ausflug mit Besuch des Walfänger-Museums auf Pico.

Mein Fazit

Nur wer keine absolute Perfektion erwartet, mit Flexibilität leben kann aber gerade diese Art der Reise schätzt, ist hier genau richtig. Die Natur dirigiert den Ablauf! Dabei spielen weder der Beruf noch das Alter eine Rolle, denn an Bord der Chronos war ich irgendwie Teil einer großen Familie, der Jüngste war 28, die Älteste 88!

Eine ähnliche Kreuzfahrt an Bord der Chronos 2017 finden Sie hier