Neuseelands bester Hummer

Neuseelandwetter durch und durch. Mal wieder und irgendwie zu erwarten, als mein Mann, mein Sohn und ich im April im Leihwagen den State Highway 1 von Kaikoura in Richtung Norden fuhren. Sturm trieb die Gischt von den Wellenkämmen, der Himmel hing wolkenschwer über dem grauen Meer und trotzdem hätte uns die Südinsel kein schöneres Programm bieten können. Denn irgendwann knurrte uns der Magen und – war es Schicksal oder Glück? – tauchte so etwas wie eine Pommesbude eingekeilt zwischen Klippen und Straßenrand auf.

Nins Bin liegt direkt am State Highway No 1Beim Näherkommen entpuppte sich die Bude allerdings als Wohnwagen mit dem Namen Nin’s Bin und tatsächlich traf „Konservendose“ dieses Etablissement recht gut. Klein, eng, unkonventionell und neugierig machend. Was dann allerdings mit Kreide auf einer Schiefertafel angeschrieben stand, war nicht das gängige Burger-Fritten- Sortiment, sondern nur drei Dinge: Hummer! Kalt mit Zitrone, warm mit Knoblauchbutter oder Muscheln in Weißwein.
Frischer als in so manchem Restaurant Das Menü: Hummer & MuschelnWer bislang Lobster mit rostfreier Edelstahlzange an weiß gedeckten Tischen zu öffnen pflegte, wäre in Nin’s Bin wohl in Ohnmacht gefallen. Ganz „down to earth“ servierte man uns fangfrische, säuberlich halbierte Hummer auf Papptellern (allerdings mit Messer und Gabel!), den Preis ganz pragmatisch mit Permanent- Marker auf den Panzer geschrieben. Dazu den Tipp, wenn wir seefest seien, könnten wir auch gerne beim nächsten Fang mit rausfahren. An sich verlockend, doch bei diesem Seegang? Wo wir doch hier in diesem windgeschüttelten Wohnwagen den vielleicht saftigsten „Koura“ unseres Lebens auf Bestellung nur noch aus dem herrlich roten Panzer löffeln mussten? Selbst eine Robben-Familie gab sich die Ehre, uns quasi als Beilage mit lustig erhobenen Flossen vom Strand aus zuzuwinken. Kaikoura, „Hummer essen“.Warum dieMaori der neuseeländischen Küstenstadt diesen Namen gaben, fällt mir heute wie (Hummerpanzer-)Schuppen von den Augen. Denn einen passenderen, neuseeländischeren und originelleren Ort für dieses Gourmetgericht kann man sich nicht wünschen!