Warum das Sultanat Oman ein bisschen anders ist

Innerhalb des Orients nimmt die Gesellschaft des Sultanats eine Sonderstellung ein So anders, wie Oman selbst, ist auch sein Herrscher Sultan Qaboos bin Said Al-Said.
Oder andersherum: Weil sein Herrscher anders ist, nimmt auch das Sultanat Oman eine Sonderstellung ein.

Religiöse Toleranz & Miteinander

Das beginnt schon bei der Religion, die sich auf die „Ibadhitische Rechtsschule“ von 711 n. Chr. beruft. Die Philosophie der Ibadhis beruht auf dem Grundsatz der religiösen Toleranz und der Vermeidung von Konflikten und Gewalt.
Das friedliche Miteinander von Sunniten, Schiiten und eben der Mehrheit von Ibadhis macht den Oman sicher einzigartig.
Das funktioniert seit Ewigkeiten und klappt bis heute.
Und zeigt, dass Sultan Qaboos trotz seines fortschrittlichen Andersdenkens eigentlich nur an die Vergangenheit anknüpft.

Wissen für alle – und die Zukunft

In das Wettrennen um die gigantischsten Gebäude, das Streben nach Superlativen und die Höher-Schneller-Weiter Mentalität von Dubai oder Abu Dhabi möchte Sultan Qaboos bin Said Al-Said gar nicht erst einsteigen.

Und dennoch ist Oman seit seines Amtsantritts 1970 auf dem Vormarsch Richtung Moderne – nur eben auf dem sanften Weg: Statt 10 Kilometern Teerstraße gibt es nun mehrere tausend, aus den drei Primarschulen für Jungen sind heute etwa 1.300 Schulen für beide Geschlechter geworden.

Und das Erstaunliche ist: Nicht nur die Kinder in entlegenen Bergdörfern drücken die Schulbank. Der Großteil der Bildungshungrigen, vor allem an den Universitäten in Muscat oder Nizwa, sind junge Frauen. Natur- und Wirtschaftswissenschaften sowie Stadtplanung und Tourismus stehen auf dem Lehrplan, dessen Inhalte meist aus dem Westen kommen.
Ebenso die Dozenten, die statt auf altmodisches Auswendiglernen auf Eigeninitiative setzen.

Der Anspruch ist hoch, die Qualität von Wissen und technischer Ausstattung im Lehrsaal ebenso. Omanische Investoren haben das Potential qualifizierter Fachkräfte längst erkannt und finanzieren Forschungsuniversitäten, die deutschen Studenten ein wehmütiges Seufzen entlocken würden. Und dennoch sind auch in diesem hochmodernen Bildungssystem die traditionellen Werte Omans unverkennbar. Jeder Hörsaal hat zwei Eingänge, einen für Männer, einen für Frauen, die je über einen separaten Flur zugänglich sind. Auch die vorderen Sitzreihen gehören den Studenten, die Studentinnen füllen die hinteren Bänke.