Leben für die Löwen

Mit einer schier unmenschlichen Ausdauer haben Sie tausende von Stunden einzelne Löwen und Leoparden mit der Kamera verfolgt, um deren Geschichte zu erzählen. Beverly und Dereck erstaunten die Wissenschaft mit Aufnahmen von „Superlöwen“, 15 % größer als alle anderen und auf die Jagd im Wasser spezialisiert.
Oder sie dokumentierten die Adoption eines Affenbabys durch eine Leopardin. Dies alles mit solch intensiver Nähe, dass der Anblick von bildschirmfüllenden Schnurrhaaren dem Betrachter die Nackenhaare aufstellt.

Ein Herz und eine Seele - Dereck & Beverly JoubertAber die Jouberts dokumentieren auch den Niedergang dieser tierischen Parallelwelt mit all ihren schönen und verzweifelten Momenten, um zu zeigen, dass man sie um jeden Preis schützen muss. Die Leidenschaft für Afrikas Großkatzen dominiert Ihre Arbeit ganz gravierend.


Waren Sie Kinder, die statt Teddybären Schmusetiger hatten?
Dereck: Ich war nie ein Teddy-Typ. Dafür ständig draußen, ein echter Wildfang. Erst bei einem Ausflug in den Krüger Nationalpark packte mich das Großkatzen-Fieber. Umso mehr, als mein großer Bruder Bilder von Afrikas wilden Tieren malte, die auf mich wie echt wirkten. Von der Leinwand habe ich dann wohl den Ruf der Wildnis gehört…

Beverly
: Ich war auch eines von diesen Auto-Safari- Kindern im Krüger Nationalpark, denn meine ganze Familie war tierverrückt. Kaum ein Tier, das wir nicht adoptierten, zweitweise wohnten 28 Hunde, Katzen, Vögel und was weiß ich noch alles bei uns.

Es wird oft behauptet, dass Krankheiten und die Löwen selbst ihr größter Feind sind. Wie sehen Sie das?
Dereck: Mit dieser Aussage kann man sich natürlich bequem aus allem heraushalten. Auch wenn der Handel mit Tigerknochen zwar archaisch anmutet, ist er noch Gang und Gebe für chinesische „Heil- und Potenzmittel”. Und auch, weil Jäger das Töten von Löwen als großen Spaß ansehen…

Beverly
: Natürlich sterben viele Raubkatzen an Tuberkulose und sie töten sich untereinander. Aber das haben Löwen aber über Jahrmillionen getan, ohne vom Aussterben bedroht zu sein.

Das Baby der Lieblings-Leopardin LegademaGab es denn einen Schlüsselmoment, warum Sie sich so sehr für den Tierschutz in Botswana engagieren?
Dereck: Schon in der 80er Jahren kamen uns währen Dreharbeiten immer wieder Geschichten von Wilderern zu Ohren. Das Fass zum Überlaufen brachte aber für mich einer der wenigen Abende, die ich mit Jägern am Lagerfeuer verbrachte. Da amüsierte man sich köstlich darüber, wie ein mit Benzin übergossener Leopard wie eine lebende Fackel im Todeskampf durch den Busch lief.

Beverly
: Mein Schlüsselerlebnis waren die vier Jahre, die wir die Leopardin „Legadema“ mit der Kamera begleiteten. Dieses Tier war so außergewöhnlich, so klug und stand uns am Schluss so nah, dass ich sicher war: Wir müssen diese stolzen und doch so verletzlichenWildkatzen schützen.

Dereck
: Ab da begann für uns die Gefahr. Wir wurden wegen unseres Protests damals inTansania des Landes verwiesen, man sabotierte drei Mal unseren Buschflieger, wir wurden beschossen und mit dem Tod bedroht.

Die Jouberts entdeckten als erste die Super-LöwenZum Glück gibt es afrikaweit immer mehr Tier- und Naturschutzprojekte. Welchen Grund hatten Sie, mit der “Big Cats Initiative” oder “Land for Lions” weitere hinzuzufügen?
Beverly: Die Probleme wachsen sehr viel schneller, als wir handeln können. Und wir können den Kampf nicht gewinnen, indem wie dieselbe Art von Naturschutz immer und immer wieder in derselben Form wiederkäuen. Das bringt uns nur so weit, wie wir heute sind: Bei 95% weniger Löwen in den letzen 50 Jahren und einem getöteten Nashorn alle acht Stunden.

Dereck
: Neue, innovative Ideen sind nötig.
Wir suchen direkt nach Lösungen und nicht nach Ideen für Lösungen. Beispielsweise haben wir Selinda übernommen, das einst 80% der Einnahmen aus Jagd erwirtschaftete.
Natürlich haben wir zuerst sehr, sehr rote Zahlen geschrieben und alle schüttelten den Kopf. Land kaufen und dann nicht zur Jagd freigeben…So ein Unsinn!
Dass die Einnahmen aus unseren Camps, aus Foto-Safaris und der Einbindung der lokalen Bevölkerung heute mehr als eine 1.000- prozentige Gewinnsteigerung bringen, hätte keiner gedacht.

Löwen-LiebeZahlt sich Ihr Motto “Nagel mit Kopfen machen“ immer so positiv aus?
Beverly: Grundlegend ja. Nicht umsonst würden wir für die Zukunft planen, Nashörner per Luftpost aus einem Wilderergebiet, in sicheres Land zu fliegen. Dass wir mit unserer hemdsärmeligen Einstellung des Zupackens richtig liegen, zeigt auch unser bisher größter Erfolg, das Jagdverbot in ganz Botswana!
Auch, dass Selinda heute zu den tierreichsten Gebieten in Botswana gehört, macht uns stolz. Zusatzlich zu den derzeit 50 verschiedenen Schutzprojekten betreiben Sie mit ihrem Safariunternehmen Great Plains Conservation auch noch Safaricamps fur Gaste.

Wie lässt sich das denn unter einen Hut bekommen?
Dereck: In erster Linie sind und bleiben wir natürlich Naturschützer. Aber um die Natur und die Tiere zu schützen, muss man das Bewusstsein seiner Mitmenschen für unsere Sache sensibilisieren. Es gibt viele fantastische Lodges und Camps, aber bei uns ist nicht nur das Ambiente ausschlaggebend. Das Warum und Wie spielt immer eine Rolle und es kommt nicht selten vor, dass wir mit Gästen gemeinsam am Feuer sitzen und über Naturschutz sprechen.
Aus echtem Interesse heraus!

Beverly
: Ich versuche unsere Camp-Mitarbeiter immer zu motivieren, ein Stück weiter als nötig zu gehen. In all den Jahren merke ich immer deutlicher, dass die Crew ihre Arbeit aus voller Überzeugung tut. Sei es im Umgang mit Gästen, aber auch im Umgang mit ihrer Umwelt.
Wir alle leben unsere Vision und Gäste spüren, dass Great Plains Conservation-Camps auf Wissen, Erfahrung und Erlebnissen aufbauen.

Nach Ihrem vielbeachteten Film „The Last Lions“ entsteht gerade ein neuer Löwenfilm „Game of Lions“. Kann man denn bei so vielen Löwen noch etwas Neues zeigen?
Dereck: Gegenfrage: Wenn Sie „Vom Winde verweht“ und „Gravity“ gesehen haben – gibt es denn danach noch etwas über die Menschen zu erzählen?
Löwen haben ein solch unglaublich komplexes Sozialverhalten, sind solch faszinierende Individualisten, dass man auch tausend Filme drehen könnte. Wir wissen ja noch nicht einmal genau, ob Jagen ein angeborener Instinkt ist, oder von den Eltern abgeguckt…

Beverly
: Es geht schon bei solch grundlegenden Fragen los, ob Löwen denn Farben sehen? Oder gibt es bei Löwen Links- und Rechtshänder? Ja – das kann ich ja schonmal verraten. Erkennen Löwen ihre Spielgefährten aus Kindertagen wieder? Wir fragen uns auch warum es viel mehr Weibchen als Männchen gibt, obwohl in etwa gleich viele beider Geschlechts zur Welt kommen.

Alle Camps der Jouberts auf einen Blick:
Zarafa Camp, Botswana
Zarafa Dhow Suites, Botswana
Selinda Camp, Botswana
Selinda Explorers Camp, Botswana
• Duba Plains Camp, Botswana
Ol Donyo Lodge, Kenia
• Mara Plains Camp, Kenia