Designhotels in Indien

Hier geht die Sonne auf

Von einem Designhotel in Indien darf man Zweierlei erwarten: Minimalismus und orientalische Opulenz. Die einen neigen sich mehr in Richtung klarer Formen, weniger aber wohldurchdacht gesetzter Akzente und ruhiger Strukturen. Doch meist können oder wollen sich die Designer nicht ganz von der Farbenpracht ihres Landes lösen und greifen ordentlich in den Farbtopf: So treffen Gäste auf die Knallfarben indischer Saris, kegelförmig aufgetürmter Gewürze und reifer Früchte, die sich im Hotel in einer Wand, einem Teppich oder aber auch nur einem Möbelstück wiederfinden und es in ein Kunstobjekt per se verwandeln. Daneben immer wieder viel Holz und Stein, die Ruhe in das Gesamtkunstwerk bringen und das Auge lenken.

Alt trifft neu im The Raas JodhpurViele greifen aber weniger in die volle Bandbreite der Farben, sondern eher die indische Tradition auf und interpretieren sie neu. Nicht selten haben auch noch die britischen Kolonialherren ihre Finger mit im Spiel und so treffen dunkle Salonmöbel auf orientalisch ziseliertes Dekor, maurische Bögen und indische Farbenpracht. Ein wenig erinnern diese „Nostalgie-Designhotels“ an Zeiten, in denen britische Lords in Jodhpur-Reithosen und Ladys in bodenlangen Roben die Salons bevölkerten. Über einen Kamm scheren lassen sich Designhotels in Indien beim besten Willen nicht und das wäre auch keineswegs im Sinne des Erfinders – vielmehr sind sie der Spiegel einer Nation im Aufbruch, die sich ausprobiert und Grenzen auslotet. Und in Sachen Designhotels sind diese bei Weitem noch nicht ausgereizt.