Wenn bei Capri…

Schnulziger als das Capri-Fischerlied geht es wohl kaum, und so gerne ich in romantischen Abendstimmungen schwelge, mache ich doch meist einen großen Bogen um Kitsch und Klischees aller Art. Nun kann man es als Nachteil betrachten, dass man als Gast eines Kreuzfahrtschiffs wie der Seadream I auf See nicht einfach so von Bord kann. In meinem ganz speziellen Falle aber war es mal wieder ein Vorteil. Denn im Oktober letzten Jahres waren eine Freundin und ich quasi dazu verdonnert, uns einen wundervollen Abend lang vollendetem Capri-Kitsch hinzugeben.

Ein Sonnenuntergang wie im Caprifischer LiedDass dazu unbedingt auch quietschgelber „Limoncello di Capri“ gehört, wurde uns spätestens dann bewusst, als sich der Äthna im Abendlicht zusehends in bläulichen Dunst hüllte und die ersten Limoncello-Gläser die Runde machten. Während wir uns in der Top of the Yacht Bar ein Plätzchen suchten und sich die beiden Caprifelsen postkartengleich erst golden und dann rosa färbten, war ich ungewollt mittendrin in der Caprifischer-Szenerie, zu der die immer wieder auf Tabletts vorbeischwebenden Gläschen „Limoncello di Capri“ passten wie Rudi Schurickes Schlagertext. Von einer geschmacklichen Offenbarung kann ich ebenso wenig vorschwärmen wie der Griechenlandurlauber vom harzigen Retsina den er in der heimischen Küche entkorkt. Und trotzdem ist mir die Limoncello- Farewell Party an Bord der Seadream unauslöschlich im Gedächtnis haften geblieben: Das süß-herbe, altmodische Aroma des Zitronenlikörs, dazu der Sonnenuntergang über Capri, die leiseMusik und das fast andachtsvolle Stimmengewirr an Deck…
Monika Möhring (links) wartet auf den Sonnenuntergang Für Nachschub ist gesorgtDas war ein Moment, wie er schöner und perfekter nicht sein kann. Und doch zu toppen. Ein wenig Limoncelloschwer dösten meine Freundin und ich in einem der balinesischen Dreambeds auf dem Oberdeck, guckten in die sternenklare Nachthimmelschwärze und erschraken uns mächtig über eine rote Feuerfontäne in der Ferne. Ausgerechnet diese Nacht hatte sich der Stromboli entschieden, uns mit einem glühenden Abschiedsgruß sein ganz persönliches Farewell aufsMeer hinaus zu schicken. Und dieser spektakuläre Abschluss hat nichts mit dem köstlichen Limoncello di Capri zu tun! Es ist ein Erlebnis, das in eben jenemMoment, in demes passiert, rundumperfekt ist.